29.10.2009
Surmenage / Lakoshi: Die schöne Sprache des Todes
Zu meinen täglichen Gepflogenheiten zählt die Lektüre französischer und spanischer Tageszeitungen im Web. Das gibt einen Überblick über die Sicht der Dinge im Süden Europas und hilft den Sprachkenntnissen.
In Le Monde las ich einen Artikel über den Tod einer Filialleiterin von McDonalds in Yokohama. Die Frau starb an Gehirnblutung. Grund waren nach Auskunft der Mediziner Überanstrengung. Die 41jährige hatte mehr als 80 Überstunden im Monat gearbeitet, natürlich – wie könnte es anders sein beim Hamburger-Spezialist – ohne Bezahlung. Wozu auch mag man sich bei McDonalds fragen. Wir verkaufen billiges Fleisch und sorgen nicht für deren Erhaltung. Das Prinzip setzt sich auch bei den Arbeitnehmern fort. Arbeitnehmer sind im global materialistischen Denken ja nicht mehr als Kapital- und Kostenfaktoren. Die eine Seite gilt es auszubeuten (Kapital), die andere Seite zu senken (Kosten). Na, so ein japanisches Sushi ist ja schließlich auch ganz mager.
Schön sind auch die Worte, die das Japanische und das Französische für den Terminus bereithält. Surmenage und Karoshi, das klingt doch viel besser als das ungelenke deutsche Wort Überbeanspruchung. Es macht auch viel mehr Spass zu lesen, dass der Tod per surmenage eintrat und nicht via Überanstrengungssyndrom. Das ist irgendwie poetischer. Im Falle von Karoshi klingts fürs deutsche Ohr gar nach Heldenmut. McDonalds könnte die Kollegin also posthum als Mitarbeiterin des Monats würdigen. Das wäre auch unter PR-Gesichtspunkten ein kluger Schachzug. Die Kollegin hätte es sicher so gewollt.