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oliristau

Kapitel 12 – Ernest

 

Ernest sah angewidert auf den Fisch, den der Kellner ihm servierte. Er ruhte auf einem Teller, dessen sechseckiger Rand mit Kräutern bestreut war. Neben dem weißen Fischfleisch gruppierten sich gedünstete Babyauberginenscheiben und ein Häufchen Zucchinischaum – in Ernests Augen grün-braune Pampe.

„Was soll das sein?“, fragte er den Kellner unwirsch.

Der Mann in seiner schwarz-weiß-schwarzen Kellneruniform rollte mit den Augen und antwortete herablassend: „Das ist eine Kreation unserer prämierten Küche und unsere Empfehlung des Tages. Seeteufel nach Art italienischer Landwirte.“

Der Ober machte eine bedeutungsvolle Pause und fixierte den Gast unter ihm so arrogant er nur konnte.

Ernest verzog keine Miene: „Scheißitaliener. Kein Katalane muss die Hilfe von Mafiosi in Anspruch nehmen, um etwas Genießbares zu kochen. Wollt ihr mich beleidigen?“

„Sie befinden sich in einem Lokal der gehobenen Gastronomie. Wenn ich Sie darauf aufmerksam machen darf …“

„Nein, interessiert mich nicht“, unterbrach ihn der Gast. „Nehmen Sie Ihren Pizzafraß wieder mit. So etwas isst kein Bauer, zumindest kein normaler. Bringen Sie mir etwas Katalanisches mit Schwein und Meerestieren, und das Ganze zügig, marsch. Ich habe nicht ewig Zeit und Lust, euer schwules Italoessen zu betrachten und zu riechen.“

Der Kellner zuckte. Es fiel ihm sichtlich schwer, dem Ersuchen des Gastes nachzukommen. Widerwillig und mit einer Geste der Empörung gehorchte er und trug das Gericht ab. Er wusste, dass der Herr auf Empfehlung eines wichtigen Freundes des Chefs da war. Es war unumgänglich, seine Launen zu ertragen.

Während der Kellner wie ein abgewiesener Liebhaber abrauschte, fluchte Ernest weiter vor sich hin.

„Was für eine Schnapsidee von Vladimir, mir diese Bude zu empfehlen. Diese Russen meinen, nur weil sie Kohle haben, hätten sie auch Geschmack. Von manchen Dingen verstehen sie gar nichts, schon gar nicht vom Essen, das war schon damals so.“

Und für Bruchteile von Sekunden zogen Bilder wie Nebelschwaden durch Ernests Erinnerung, die die leisen Tiraden seines Onkels Josep wiedergab, der einst einen Tabakwarenladen in Girona unterhielt und regelmäßig über die gottlosen Russen schimpfte, die er des Verrats an der Republik und Katalonien bezichtigt hatte.

Ernest war von ausgesprochen übler Laune an diesem Tag. Da half auch das Hafenambiente nichts, das sich seinen Augen nur wenige Meter entfernt anbot. Er hatte vor wenigen Stunden erfahren, dass es Probleme beim Aufbau des Wettsystems für die dritten spanischen Fußballligen gab. Dieser Kollege von Deseo hatte möglicherweise herausgefunden, dass ihr System so war, wie es zu sein hatte, wenn bestimmte Kreise sichere Gewinne machen wollten; ausgestattet mit vertrauensvollen Kontakten zu Schiedsrichtern und einem Netzwerk von Spielern. Dass es einen ungebetenen Spion gab, würde seinen russischen Partnern bestimmt nicht gefallen.

Ernest spürte, wie der Schweiß aus den Poren drückte. Er hasste das. Denn dann begann immer seine Kopfhaut zu jucken und vom Kratzen rieselten ihm die Schuppen auf die Schultern wie Waschpulver. Es fühlte sich an, als kröche ekliges Ungeziefer zwischen seiner Schädeldecke und der Kopfhaut entlang. So wie die kleinen Ameisen, die er in seiner Kindheit zu Tausenden wie ein Besessener zertreten hatte. Diese Viecher schwärmten nämlich in Divisionsstärke über den Bauernhof seiner Kindheit, wo er die ersten Jahre seines Lebens hatte verbringen müssen. Er verabscheute das Landleben, seit er denken konnte, denn die Armut und der besoffene und gewalttätige Vater hatten sein Dasein geprägt. Eines Tages war sein Vater voll wie ein Eimer vom Scheunendach gefallen. Kurz zuvor hatte er seinem ältesten Sohn mal wieder massive Schläge in Aussicht gestellt, nur deshalb, weil das Dach dreckig und durch den Regen glitschig geworden war. Ernest hatte den Sturz wie ein unbeteiligter Zuschauer beobachtet und den Fall seines Vaters in Zeitlupe später immer wieder vor seinem geistigen Auge abgespult. Er hatte ihm einfach nur zugesehen, wie er die letzten, schweren, auseinanderfallenden Atemzüge tat. Er hatte nicht geweint, denn alles, was er von ihm erfahren hatte, waren Brüllorgien und Schläge. Sein doofer kleiner Bruder hatte da mehr Glück gehabt. Der war noch zu jung gewesen, um in schöner Regelmäßigkeit durchgeprügelt zu werden.

Endlich kam das Essen.

„Schweinefüße mit Garnelenring in Kartoffel-Gemüse-Sud“, kündigte der Kellner wie ein mittelalterlicher Herold an.

„Na endlich“, grummelte Ernest. „Und bringen Sie mir einen kräftigen Wein aus der Gegend von Girona“, befahl er.

„Auf keinen Fall Genua“, rief er ihm, um sicherzugehen, hinterher. Wenn er Essen in sich reinstopfte, konnte er die Schweißausbrüche, die seine Hemden fleckig werden ließen, viel besser ertragen. Die braungelbe Soße tropfte von seinem Kinn zurück in den tiefen runden Teller. Während er die kleinen Krebstiere mit der Hand zerlegte und ihm der Saft in die Ärmel lief, fiel ihm wieder der Deutsche ein. Er wischte sich notdürftig die Hände ab und wählte Luis’ Nummer. Der Kellner stellte eine Flasche Rotwein auf den Tisch. Ohne Umschweife und schmatzend kam er zur Sache.

„Was habt ihr mit dem Mann gemacht“, wollte er wissen. Er hörte kurz zu. „Wie bitte? Nichts? Das kann nicht so bleiben“, setzte er hinzu.

Wieder schenkte er Luis ein paar Sekunden seiner Aufmerksamkeit, dann ging er unwirsch dazwischen: „Das muss dich nicht interessieren. Ich scheiß auf meinen Cousin. Ich will wissen, was der Deutsche herausgefunden hat.“

Jetzt redete Ernest lauter als zu Beginn und bemühte sich auch deutlich zu sprechen. Dabei fiel ihm ein Stück Kartoffel aus dem Mund und landete auf der weißen Tischdecke.

„Dann fragt ihn, verdammt noch mal. Ich will wissen, ob er über unsere Geschäfte im Bilde ist oder nicht.“ Unwillig hörte er seinem Gesprächspartner weiter zu, ergriff dabei sein Weinglas und goss sich einen kräftigen Schluck Rotwein in die Kehle.

Er hatte ihn noch nicht geschluckt, da prustete er: „Wahrscheinlich ist nicht sicher. Die Deutschen sind exakte Kerle, die kaum Fehler machen, nicht solche dummen Bauern aus Kastilien wie deine Mitarbeiter. Euch Tölpel würde es ja nicht einmal auffallen, wenn die Heilige Jungfrau vor euch stünde. Aber die Deutschen sind Detektive, die noch die Speisekarte untersuchen, wenn wir schon beim zweiten Gang sind. Du weißt Bescheid, Luis. Fragt ihn und ruft mich zurück. Und zwar nicht morgen, sondern sofort.“

Er nahm sein Handy vom Ohr, sah es missbilligend an und drückte den Knopf, der die Verbindung beendete. Bevor er einen weiteren Schluck Rotwein nehmen konnte, entfuhr ihm ein kräftiger Rülpser. Da meldete sich erneut sein Handy. Auf dem Display blinkte der Name Deseo.

 

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Kapitel 5 – Meetings (2)

Die Männer gaben ihm Zeichen, ihnen zu folgen. Wortlos erreichten sie den nächsten Häuserblock, bogen nach rechts ab und an der nächsten Einmündung nach links. Leon stellte fest, dass die Straßenschilder, anders als er es kannte, nicht an Metallstangen auf den Gehwegen, sondern an den Fassaden der Eckhäuser etwa auf Höhe des ersten Stocks montiert waren. Gerade las er den Namen Casanova.

Sie blieben vor einem Gebäude stehen, dessen Eingangsportal aus zwei mit Holzrahmen eingefassten alten Türen bestand. Nirgendwo gab es Firmenschilder. Auf dem Klingelbrett waren nur die Ziffern für die einzelnen Stockwerke verzeichnet, keine Namen.

Die mosaikartigen Bodenkacheln auf dem Flur waren zum Teil zerbrochen und aufgeworfen; einige der Briefkästen am Aufgang des Treppenhauses gewaltsam aufgehebelt . Darunter stand ein alter Eimer, aus dem sich graue Putzlappen zwängten. Sie folgten den Treppen drei Etagen aufwärts. Von jeder Geschossfläche zweigte eine Wohnungstür ab. Eine Etage war mit Fahrrädern und Kinderwagen vollgestellt. Alles in allem war das ein Wohn- und kein Geschäftshaus, stellte Leon fest, der sich mehr und mehr unwohl fühlte, nachdem die beiden Männer auf dem Weg kein Wort mit ihm gewechselt hatten.

Als der Mann mit den buschigen Brauen die Eingangstür aufschloss, durchdrang Leon nur mit Mühe das Halbdunkel des sich öffnenden Flurs. Links und rechts verdeckten schmale vollgestopfte Bücherregale die Wände. Am Boden lagen Schuhe und Plunder wahllos herum. Sie folgten dem Flur in Richtung einer Doppeltür, die aus bunten und lichtdurchlässigen Glasstücken bestand, die sich zu gleichmäßigen geometrischen Figuren formten. Die Männer betraten die Küche, die vor den kunstvollen Türen links abzweigte. Das einzige Fenster führte zu einem Schacht hinaus, der nur wenig Tageslicht eindringen ließ. Der Mann mit den Brauen schaltete das Deckenlicht an und drückte ihm ein Glas Wasser in die Hand. Leon blieb allein zurück mit dem an- und abschwellenden Brummen des Kühlschranks. Er wandte sich dem Schacht zu und blickte hinab. Er hörte eine Frau und einen Mann heftig streiten. Porzellan zerbrach und ein Baby schrie. Parallel sog er den Duft frisch gebratenen Fleischs ein. Er dachte an Jeanette, die jetzt wohl bei ihren Eltern war, die Vorbereitungen für das Abendbrot trafen. Der Rest des Streuselkuchens würde traurig neben dem Herd stehen. Vielleicht gab es Kartoffeln.

„Gefällt es Ihnen bei uns?“, schreckte ihn eine Stimme auf. Es war der Mann mit der Brille.

„Entschuldigen Sie, dass wir uns noch nicht vorgestellt haben. Mein Name ist Mario Gonzales, hier ist meine Karte.“

Leon las sie. Es stand nicht mehr darauf als sein Name und eine Adresse in der Calle Casanova, offenbar die, wo sie sich gerade befanden. Nun kam auch der Zweite zurück, der sich als Pablo Ciego vorstellte.

„Unsere kleine Firma ist auf Kataloge spezialisiert, die wir im Internet anbieten. Aber unsere Rechner spielen ständig verrückt. Deshalb haben wir Sie bestellt.“

Sie verließen die enge Küche, stießen die Doppeltür auf und erreichten einen großen Raum am Ende des Flures. Gegenüber der Eingangstür führte ein Balkon ins Freie. Leon sah den dunkelblauen Himmel über den Dächern der Nachbarhäuser, in denen die meisten Fenster beleuchtet waren, dann wurde seine Aufmerksamkeit auf die Schreibtische gelenkt. Er setzte sich an einen der Rechner, und Ciego zeigte ihm, welche enorme Zeit jede Anwendungen brauchte, bis sie ausgeführt werden konnte.

Er bemerkte schnell, dass die Geräte verseucht waren mit irgendwelchem Datenmüll aus dem Internet, der sich auf die Speicher wie Klebstoff gelegt hatte.

„Ich muss hier säubern“, sagte er. „Das wird dauern.“

„Macht nichts. Fangen Sie an.“ Leon machte seine Arbeit wie immer, löschte, bereinigte, spielte neu auf, programmierte und prüfte. Gonzalez und Ciego hielten sich im Hintergrund. Nachdem er eine knappe Stunde in den Tiefen des Rechners unterwegs war, entdeckte er eine Datei, die sein Interesse weckte. Normalerweise ignorierte Leon die Inhalte, die auf den Rechnern der Kunden lagen. Doch diesmal zuckte es in ihm.

Es war der Name, der seine Aufmerksamkeit erregte: Leon.Logroño.xl. Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass diese Datei etwas mit ihm zu tun hatte. Entgegen seiner sonstigen professionellen Gewohnheit öffnete er sie. Auf dem Bildschirm erschien ein Tabellendokument, das Zahlen und einzelne Worte kombinierte. Bei den Zahlen handelte es sich um Geldbeträge ab 1.000 Euro.

Er überflog die Worte, entdeckte tatsächlich seinen Namen und begann zu schwitzen. Er hatte Sorge, dass die Beiden seinen Schweißausbruch hören könnten.

Als er die übrigen Namen genauer unter die Lupe nahm, entdeckte er, dass es sich bei manchen um spanische Ortschaften und Städte handelte, andere kannte er nicht. Als er den Zeiger der Maus auf die jeweiligen Kästchen führte, blendeten sich zusätzlich Begriffe wie „Deportivo“ oder „Atletico“ ein, die er aus der spanischen Vereinssportwelt kannte.

Er überlegte. Was hatte sein Name hier zu suchen? Plötzlich fiel es ihm ein. Im Nordwesten Spaniens gab es eine Stadt, die seinen Namen trug, möglicherweise bezeichnete Leon Logroño also eine Spielpaarung, denn auch Logroño war eine spanische Stadt.

Das erklärte auch die Geldbeträge. Denn Leon war sich mit einem Mal sicher, dass er auf eine Art von Wettsystem gestoßen war. Da er einmal dabei war, öffnete er auch noch eine zweite Tabelle, die ausnahmslos Euro-Beträge enthielt. Er wollte sie gerade schließen, da entdeckte er einen Verweis auf eine externe Grafikdatei.

Er war jetzt wie unter Strom, konnte die Begierde des Voyeurs im fremden Rechner nicht mehr zügeln und klickte den Link an. Der Bildschirm wurde schwarz. Das Ding rechnete und rechnete, mit jeder Sekunde, die der Computer länger brauchte, beschleunigte sich seine Herzfrequenz. Er spürte instinktiv, wie jemand in seinem Rücken auf ihn zukam. Da füllte sich der Bildschirm mit den Abbildungen von Maschinengewehren und anderen Waffen. Blitzschnell registrierte er, dass es sich offenbar um einen Katalog handelte. Als er die Datei schloss, stand einer der beiden Männer schon neben ihm. Leon sah hoch. Er wusste nicht, ob er bemerkt hatte, was Leon sich da gerade angesehen hatte.

„Sind Sie fertig?“, fragte er ihn nüchtern.

„So weit ja, ich habe Ihre Daten aufgeräumt und Neuinstallationen durchgeführt. Ich würde Ihnen raten, Ihr Betriebssystem zu aktualisieren oder auszutauschen. Dann werden Ihre Programme besser arbeiten.“

„Danke, für heute reicht es“, antwortete Ciego. „Kommen Sie morgen wieder! Wir brauchen eine umfassende Beratung zu Neuanschaffungen.“

Das ließ Leon wieder professionell werden. „Da gibt es eine Menge, was Sie tun müssen und was ich Ihnen empfehlen kann.“

Er machte eine kurze Pause, in der er über die Kosten sinnierte. „Sind die finanziellen Details alle geklärt?“, fragte er zögernd.

„Natürlich. Wissen Sie doch“, sagte sein Neukunde und überreichte ihm einen Barscheck, der auf die Deutsche Bank lautete und über 1.000 Euro ausgestellt war. „Das spart Gebühren“, sagte er mit einem merkwürdigen Lächeln.

Und als Leon fragte, ob sie eine Rechnung wollten, bekam er zur Antwort, dass das nicht nötig wäre.

Leon verließ die Wohnung, und als er wieder auf der Straße stand, fühlte er sich leer und ausgesaugt. Die Autos brausten vorbei, die fremden Kennzeichen verstärkten das Gefühl der Verlorenheit. Es wusste nicht, was er von all dem halten sollte. Was hatte es mit dem Waffenkatalog auf sich? Und warum diese Tabelle mit den Fußballspielen? Ließ sich ihre Firma wohlmöglich auf kriminelle Wettspiele und Waffenschieber ein?

Wie ferngesteuert begab er sich zur nächsten Straßenecke. Seine Gedanken rotierten in einer Endlosschleife. Was machte er hier? Er war dafür nicht geeignet. Ich will nach Hause zu Mami. Unbewusst machte er einen Schritt nach vorne und stellte sich einem Mann in den Weg, der gerade im Begriff war, die Straße zu überqueren. Er stoppte jäh ab und sah Leon brüsk an. Er fragte etwas in einer Sprache, die er nicht verstand. Leon sah durch ihn durch, sein Gehirn schüttete chemische Substanzen aus, die ihm das Gefühl von Minderwertigkeit vermittelten.

Der Mann gab nicht auf: „Everything all right with you?“, fragte er schließlich mit rollendem Akzent.

Das spülte Leon wieder an die Oberfläche. Er lächelte entschuldigend. „Tut mir leid, ich war abwesend. Ein besonderer Tag heute.“

„Aber ein schöner, oder?“ Der Mann zeigte die Straße hinunter, die den Blick nach Westen freigab. Die Sonne war untergegangen und hatte die Schleierwolken am Horizont in orangerote Farbe getaucht. Mittendrin verlor sich ein violetter Streifen wie mit dem Pinsel gewischt. Die alten Häuser und Straßenlaternen, die Autos und die abfallende Straße waren in ein warmes Dämmerlicht getaucht.

„Wissen Sie, wo Sie sind?“, fragte der Mann etwas ungläubig.

„Ja, in Barcelona. Das Viertel heißt …“

„Eixample“, ergänzte er lächelnd, klopfte ihm auf die Schulter und setzte seinen Weg fort.

Leon sah ihm nach, wie er sich in Richtung der untergegangenen Sonne im Passantengewimmel verlor. Aus dem Gemälde kamen schwarz-gelbe Taxen mit grün leuchtenden Droschkenschilden herangefahren, die anzeigten, dass sie für Fahrgäste bereit waren. Er hielt eines an und ließ sich zu seinem Hotel fahren.

Auf seinem Zimmer rief er im heimischen Office an. Frau Schilling war noch vor Ort.

„Ich habe nur kurz mit Herrn Ferrer sprechen können. Er war den ganzen Tag in Meetings. Er schien erstaunt, dass Sie in Barcelona sind.“

„Wie? Erstaunt?“, fragte Leon müde. „Was hat er gesagt?“

„Eigentlich nichts. Nur, wenn es dem Geschäft diene, solle es ihm recht sein“, gab sie zur Antwort.

„Was soll das, Frau Schilling? Er hat mich doch hierhin geschickt“, sagte er ärgerlich.

„Aber haben Sie denn keinen Kundenkontakt?“, fragte sie unbefangen nach.

Leon, mit Verzögerung: „Doch, ich habe einige Gespräche führen können.“

Die Frau verstand seine Aufregung nicht. „Na, sehen Sie. Dann ist doch alles in Ordnung.“

Leon gab es auf. Vielleicht hatte sie recht und es war wirklich alles O.K.

„Wann kommen Sie denn wieder?“, wollte sie wissen.

„Ach, gut, dass Sie mich daran erinnern. Ich habe noch gar keinen Rückflug. Bitte kümmern Sie sich darum.“

Leon machte eine Pause, um Frau Schilling Gelegenheit zu geben zu antworten. Doch am anderen Ende der Leitung war es still geworden.

Leon fragte: „Frau Schilling“ – keine Antwort. Und wieder: „Frau Schilling?“

Die Leitung war tot, und als er wieder anrief, war besetzt. Er warf das Handy auf sein Bett.

„Scheißgerät“, fluchte er.