Archiv für die Kategorie 'Blick durch die subversive Wirtschaft'

oliristau

Aufstand gegen Billy

Billys oder Bennos sind in Deutschlands Wohnzimmern weit verbreitet. Klar, die Möbel zählen zu den Verkaufsschlagern aus Deutschlands beliebtestem Einrichtungshaus Ikea. Doch in Hamburg-Altona ist die Freude über die schwedischen Selbstbau-Regale getrübt. Überall im Viertel hängen Aufkleber mit Texten wie „Ikea, du wohnst hier nicht“ oder dem Aufruf „Kill Billy“. Grund ist der Plan des schwedischen Konzerns, mitten in der ehemaligen Altstadt des Hamburger Stadtviertels eine neue Filiale zu eröffnen; die erste überhaupt in einem europäischen Stadtzentrum.

Doch gegen das laut Ikea „Pilotprojekt“ gehen die Anwohner auf die Barrikaden. „Wir befürchten einen Verkehrsinfarkt, wenn mehrere tausend Fahrzeuge täglich zusätzlich in die Altonaer Innenstadt rollen“, sagt Anna Bergschmidt von der Bürgerinitiative, die die Ansiedlung per Bürgerbegehren stoppen will. Da beruhigt auch nicht, dass Ikea den Individualverkehr zum Altonaer Möbelhaus mit mehr Lieferservice für die Kunden eindämmen will. Der Verkehr rund um das historische Zentrum Altonas – nur wenige Minuten vom weltberühmten Fischmarkt entfernt – ist heute schon enorm.

Es geht um eine Einkaufsmeile nebst Wohnungen, die in den siebziger Jahren in die Altonaer Altstadt gepflanzt worden waren, von der als Folge des Kriegs nur ein paar Jahrhundertwende-Häuser übrig geblieben waren. Im Stile der damaligen Moderne wurde in der „Neuen Große Bergstraße“ möglichst hoch und mit viel Beton gebaut. Doch was zu jener Zeit schick war, ist heute out. Das gilt insbesondere für einen monumentalen Betonklotz namens „Frappant“, der früher die Massen zu Karstadt lockte, seit Jahren aber leer steht. Eine Hand voll Künstler hatte die Bezirksverwaltung mit niedrigen Mieten vorübergehend angelockt, um ihm wieder Leben einzuhauchen.

Doch damit ist Schluss, seit die Schweden Interesse angemeldet haben. „Ikea ist ein idealer Investor, um das Areal wiederzubeleben“, sagt Jürgen Warmbke-Rose, Leiter des Bezirksamtes Altona, das den gesamten Westen Hamburgs entlang der Elbe vom Fischmarkt bis Blankenese umfasst. Der Möbelkonzern hat sich bereits das Vorkaufsrecht für das Frappant gesichert, die Künstler sind seit dem Frühjahr draußen. Die übrigen Geschäfte in der Einkaufszone freuen sich auf die Schweden. Sie hoffen, dass Ikea neue Kundschaft bringt. Die Bürgerinitiative fürchtet dagegen, dass Ikea das Sozialgefüge mit hohem Ausländeranteil und niedrigen Mieten im Zentrum Altonas zerstören werde und damit den Stadtteil insgesamt weiter kommerzialisiere. Denn das Multi-Kulti-Viertel, in dem Regisseur Fatih Akin einst Filme drehte und Rapper Sammy Deluxe zu Hause war, droht zunehmend zum Quartier für Besserverdienende zu werden, so wie in anderen Keimzellen Hamburger Subkultur wie dem Schanzenviertel und St. Pauli bereits geschehen. Deshalb solle die Einkaufszone nach dem Willen der Anwohner zu einem Kulturzentrum entwickelt werden. Die Chancen, Ikea zumindest zu ärgern, sind nicht schlecht. 1800 Unterschriften reichen, um die Pläne mindestens für drei Monate auf Eis zu legen. Damit wären der geplante Kauf und der Beginn der Bauarbeiten Anfang 2010 nicht zu halten. Ob Ikea das mitmacht, ist fraglich. Billy müsste sich dann ein neues Quartier suchen.

Die Gewerkschaften kämpfen um jedes bisschen Mitbestimmung. Ohne sie würden die Arbeitgeber tun, was sie wollen: entlassen, einstellen, demütigen, wann, wen und wie oft sie darauf Bock haben. Bei attraktiven jungen Praktikantinnen würden die Termine auf spätabends gelegt, um das mittelalterlich-feudale Recht der ersten Nacht wieder aufleben zu lassen. Danke liebe Gewerkschaften, dass ihr jetzt, bevor es zu dem wahrscheinlich beispiellosesten Arbeitsplatzabbau der Nachkriegsgeschichte kommen wird, da seid. Doch die Arbeitnehmer können auch ohne ihre Schutzorganisation aktiv werden wie ein aktuelles Beispiel aus Spanien zeigt. Da hat ein Angestellter seinem Arbeitgeber mal die Meinung gesagt, unter anderm mit den Worten: Jefe, usted es un hijo de puta (Chef, Sie sind ein Hurensohn). Ein spanisches Gericht urteilte laut einer AP-Meldung, dass dies kein Kündigungsgrund sei. Auch ich meine, dass es gut ist, Unternehmenslenkern ungestraft die Wahrheit sagen zu dürfen. Wir wissen alle, dass sie es damit selbst oft nicht allzu genau nehmen. Und das macht auch psychologisch die Annahme wahrscheinlich, dass Chefs per se Hurensöhne sind. Denn das traumatische Erlebnis des abwesenden Vaters führt zur eigenen Verantwortungslosigkeit. Insofern finden sich Hurensöhne überall in leitenden und nicht leitenden Funktionen. Verantwortung aber ist alles andere als eine Geschlechtskrankheit.

Es grüßt euer Dr. Herzler

oliristau

Nur eine Mini-Krise

Was sind schon Billionen? Man stelle sich nicht so an. Da wurde mal kurz das halbe BIP Afrikas durchgeblasen, und Finanzwelt und Börse lachen wieder. Nee, iss klar. So ne kleine Krise geht ja schnell vorbei. Die Börse freut sich auf die Zukunft, wenn es heißt: Konjunktur belebt sich wieder. Doch wie passt das zusammen? Die deutsche Industrie produzierte im Juli weniger als 85 % des Vorjahres, und gerade mal ein paar Schräubchen mehr als im Monat zuvor, und das lag vor allem an Bestellungen für Panzer und anderem schicken Militärmaterial. Da spricht die KfW-Bank davon, dass die Banken immer weniger Kredite rausrücken und dieser Trend auch über die nächsten Quarteln mit zweistelligen Minusraten anhalten werde. Das sei aber keine Kreditklemme (was denn sonst?) sondern normal in Zeiten der Rezession.

Aber Bankenzocker wie Goldman Sachs, HSBC und Deutsche Bank ziehen wieder schwadronierend durchs Land und gaukeln uns vor, dass das Schlimmste überstanden sei. Die Börse glaubts, alles gut. Und natürlich werden die Banken auch im 3. Quartal Gewinne ausweisen. Sie müssen ja ihre Schrottpapiere nicht mehr abwerten, doch davon haben sie noch eine gewaltige Menge in ihren Büchern. Bei der Deutschen Bank vermutlich ein Vielfaches des Eigenkapitals. Außerdem haben sie mit dem billigen Geld der EZB schöne Geschäfte machen können. Woher kommt denn sonst der Aufschwung an der Börse? Die Kohle muss ja angelegt werden. Weiterrreichen als Kredite an die Industrie? Wozu, es spielt sich doch wieder so schön . Außerdem wird es wieder Zeit für leckre Bonizahlungen.

Na denn, schauen wir mal, wie lange dieses schöne Kartenhaus noch stehen bleibt. War ja nur ne Mini-Krise, alles halb so schlimm. Wenn es wirklich so sein sollte, dann ist Josef Ackermann der Weihnachtsmann und Goldman Sachs die Caritas.

Es grüßt Dr. Herzler

Die ganze deutsche Wirtschaft befindet sich in der stärksten Rezession seit Ende WK II, schreibt die deutsche Presse wiederkehrend. Und Unsymphaten wie der Ifo-Backenbart lassen keine Gelegenheit aus zu sagen, dass die Lage noch viel schlechter ist.

 Aber dem Hochtief-Konzern scheint es glänzend zu gehen – Gewinn im Q1 zwar um 20 % eingeknickt, aber Einnahmen unerwünscht. Folgende Geschichte: mein Büro befindet sich in einem Gebäude, das früher der Deutschen Bahn gehörte, die es zusammen mit anderen Immobilien 2007 an Hochtief und eine US-Finanzheuschrecke verkaufte. Zwei Etagen stehen seit über 2 Jahren leer. Die Mieter zuvor (windige Call-Center und ständig Insolvenz anmeldende Im- und Exportfirmen) waren auch nicht gerade solvent. Nun stieg vor einem Jahr eine junge Medienagentur als Mieter der Etage ein, auf der ich selber arbeite – sehr nette, unkomplizierte und kreative Kollegen. Wegen der einsetzenden Wirtschaftsflaute konnten sie nicht alle Flächen wie geplant untervermieten und schaufelten so Monat für Monat Verluste aus der Vermietung auf,  bis es nicht mehr ging. Der Vorschlag an den Vermieter: Einzelmietverträge mit den Untermietern abschließen.

Doch die Hochtief-Heuschrecken-Herren sagten vergräzt ab. Lieber die Fläche leer stehen lassen, als 15 bis 20.000 Euro Mieteinnahmen zu generieren. Und dass, obwohl bei Gewerbeimmobilien in Deutschland laut einem Bericht der FTD vom Donnerstag die Leerstände auf Rekordniveau gestiegen sind. Wer sich in Hamburg-Altona umschaut sieht: niemand arbeitet in den Büros .

Soll mir keiner mehr von Wirtschaftskrise und wegbrechenden Einnahmen reden, wenn der Aufwand schon zu groß ist, ein paar Mietverträge auszustellen. Dann geht es den Beteiligten ja glänzend. Die OECD hat prognostiziert, dass nirgendwo auf der Welt die Wirtschaft 2009 stärker einbrechen wird als in Deutschland. Jetz wissen wir, welcher Mentalität wir das zu verdanken haben.

Ist Porsche endlich pleite? Finanziell nicht, aber das Image… Als Kind hatte ich diverse 911er. Das waren meine Lieblinge wie bei allen Jungs. Natürlich sind das Benzinvernichter im richtigen Leben, aber geschenkt. Doch was soll dieser unsägliche Cayenne für den Vorstadtspießer, der das Gelände meidet wie die Innenstadt – viel zu gefährlich.

Als Journalist genießt man manches Privileg, und so war ich vor einigen Jahren mit einer Rover-Limousine als Testwagen in den spanischen Pyrenäen. Wir wohnten in einem abgelegenen Dorf, zu dem eine steile Serpentinenstraße führte. Die Menschen waren recht zurückhaltend, der Wirt fand aber den Wagen geil. Selber hatte er wie alle andren Bewohner einen Toyota-Geländewagen. Einmal war die Dorfdurchfahrt gesperrt und er sagte, ich solle die Nebenstrecke über die Felder nehmen. Na gut, dachte ich, und am Anfang gings auch recht zügig – ein paar Schlaglöcher, da es trocken war, kam ich gut über den Ackerweg. Doch dann gings den Berg runter, verdammt, und überall lagen fette Steine. Einen Weg gab es nicht mehr, und ich dachte, ich reiße mir jeden Moment die Ölwanne auf und ruiniere die Achsen. Das war wohl der letzte Testwagen meines Lebens. Doch ich hatte Glück, der Wagen setzte ein paar Mal auf aber blieb heil. Am Ende sah er von den Dreckspritzern aus wie ein richtiger Geländewagen – gutes Auto, Hut ab.

Aber, für was brauchen Yuppieschicksen und schlecht gegelte Typen aus Hamburg-Othmarschen mit blau gestreiftem Hemd solche Cayennes oder Touaregs??? Die bringen ihre Kinder sicher zum 50 Meter vom Haus entfernten Sportplatz, ohne das Wort “Gelände” buchstabieren zu können, doch deren Kinder saufen dann wegen Erderwärmung und Meeresspiegelanstieg ab. Der dann immer noch schlecht gegelte Opa sagt dann doof: Wir haben von nichts gewußt. Nee, das mit der Klimaänderung war ja noch gar nicht bewiesen. Frag doch den George Bush, ach der ist ja auch schon an Hautkrebs gestorben…

Es ist höchste Zeit, dass die Automobilhersteller die Insolvenz einreichen, die bis Lehman immer noch nicht begriffen hatten, das 15 Liter auf 100 Km Technologie der industriellen Steinzeit ist – das gleiche Vorgestern wie in den Hirnen der Offroad-Asphalt-Fetischisten.

- Wer kennt schon Tantal? – Bitte, was ? – Tantal ! - Geil, iss das was Schmutziges? – Ja, kann man so sagen. Aber anders als du denkst. Ist in allen Handys und Computern, ein seltenes Metall – kommt besonders gerne aus dem Kongo.

Klasse Sache – da stehen 10 bis 11jährige Jungs in irgendwelchen Gruben im Urwald, schürfen das Zeug zum Nulltarif, Eltern sind wahrscheinlich schon lange tot, Mutter vorher vergewaltigt, Vater Arme ab. Was solls ? Sind doch nur Niggerkinder. Kann man ja nicht vergleichen mit den eigenen Jungs mit ihren Lego-, Bionicle-, Gogo-Spielzimmern, wie sie draußen Fussball spielen, zur Schule gehen, was lernen, z.B. die Geschichte von Tantalos, der die Götter zum Essen einlud und ihm seinen Sohn zur Speise vorsetzte, weil er dachte, die seien zu blöd, das zu merken. Kam natürlich anders. Deshalb leidet der Idiot heute noch, kann seinen Durst und Hunger nicht stillen.

Passt doch, genau wie die Kinder in den Gruben. Super Idee, ihn zum Namensgeber dieses tollen Metalls aus dem Kongo zu machen, mit dem seriöse schweizer und deutsche Händler prima – und krisenresistente – Geschäfte machen. Wenn wir mal wieder irgendein überflüssiges Gespräch führen, irgendeine sinnlose SMS schicken oder ein langweiliges Photo – die kleinen schwarzen Hände haben es möglich gemacht. Vielleicht leben sie ja gar nicht mehr, doch hauptsache wir können Dank Tantal Brutal telefonieren, Computerspiele spielen oder Autoelektronik benutzen.

Bloß keine Wertberichtigung, der Markt weiß am besten was gut ist, auch wenn es der Tod ist, schallt es aus dem Lager der Sinn-igen Wirtschaftsexperten. Kongo ist weit weg, und soll es auch bleiben, bloß keine Asylbewerber, den geht es doch gut da, ist doch alles erfunden – so wie der Holo… – ääh..

Dieser Beitrag wurde Ihnen weder von der Deutschen Mobilfunkindustrie noch den neoliberalen Wirtschaftsinstituten präsentiert.

oliristau

Todschicke Metro-Jeans

Ich habe heute wie jeden Morgen meine Tageszeitung gelesen, und ich gebe ehrlich zu, dass mir der Sport-Teil am meisten Spass macht. Denn Fussballberichte haben nichts Ernstes, Bösartiges oder Todbringendes. Es geht stattdessen um die Leistungsexplosion von Podolski unter Heynkes . 

Wenig (außer der Liebe, aber die lassen wir mal an dieser Stelle) macht mich so unruhig wie die Spiele von Fortuna Düsseldorf. Das ist mein Lieblingsclub, und es geht gerade um den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Doch dann fiel mir eine Kurzmeldung ins Auge, die ich nicht vergessen kann. “18-jährige stirbt in Textilfabrik an Überanstrengung” lautete der Titel in der FR und stenografisch beschrieb die Meldung, dass eine junge pakistanische Frau in einer Fabrik, die Jeans für den Metro-Konzern herstellen, eines Tages tot umgefallen ist. Herzversagen durch Überanstrengung lautete die Diagnose. Sie hat täglich mehr als 12 Stunden gearbeitet unter Bedingungen, wo unsereiner lieber direkt sterben würde, ohne das arbeiten erst zu versuchen. Die Meldung endete mit dem Satz: “Metro kündigte den Vertrag mit dem Textilhersteller.” Ach was?

Ob Metro, Tchibo, Lidl – ganz egal, alle lassen ihre Klamotten von kleinen dunklen Händen fertigen, weit weg von unserer Wohlstandswelt. Man sieht nur den Preis “geil, ist das billig”, aber da muss man jetzt auch sagen “geil, die ist tot”, aber wer traut sich das schon? Zur Slumdog-Millionärin hat es für das Mädchen knapp nicht gereicht, leider vorher Herzversagen - naja, war wohl nicht robust genug, wohl eher ein slimdog (hahaha), hätte wohl mehr trainieren müssen, und dann sind wir schon wieder beim Sportteil, und da taucht auch Pakistan auf, als Hockeynation, natürlich nur bei den Männern, denn die Frauen bleiben ja in den Textilfabriken – in welchem Zustand auch immer.

Sag jetzt keiner, wir bräuchten eine Wertberichtigung, von wegen nachhaltiger Textilindustrie, fairen Arbeitsbedingungen und so. Ist doch quatsch – würde nur alle Hosen teuer machen, da hätte ich ja nur noch 7 statt 10 im Schrank. Apropros, eine meiner 4 Jeans hat ein Loch, ich glaube, ich kaufe mir mal ne neue bei der Metro.

Ich sitze mit vernünftigen Menschen zusammen, Unternehmern, Journalisten, Freaks – und alle schütteln den Kopf. Bad Banks muss man doch gar nicht erst gründen, vom Sinn her sind sie es ja schon. Aber als schlecht empfanden es die Banker ja nie, wie Ackermann 25 % Rendite im Bankgeschäft zu erwirtschaften, das kann ja nur mit schlechten Dingen zu gehen: wie Hypothekenkredite von McDonalds-Angestellten oder Zeitungsverkäufern zu handeln, die ihr Haus nie abbezahlen können. Sind denn Schulden wirklich wie Schweinehälften oder Öl? Ja und, antwortet der Banker der Deutschen Bank gelangweilt, in deren Bilanz noch mehr Müll lagert als in allen Halden der Welt.  Wie bei Kettenbriefen und Schneeballsystemen müssen sich nur genug Dumme finden, die am Ende zahlen. Dieser Dumme hat diesen Text geschrieben oder liest ihn gerade, denn wir alle werden dafür bluten müssen, wenn es in einigen Jahren gar kein Geld mehr für Bildung, Straßen, Kinderbetreuung oder sonst eine für Bad Banks überflüssige Sozialromantik gibt, denn der Staat wird alles für seine Garantien bezahlen müssen, die er den Schmutzbanken für ihren verbrecherischen Mist gibt. Jedem Vertreter, der einem solch einen Dreck andrehen will, würden wir die Tür vor der Nase zuknallen. Aber den Bad Bankern muss ja geholfen werden, den armen, armen Finanzjoungleuren, die es ja alleine nicht schaffen, wie die FDP mitfühlend bemerkt.

Diese Wettstuben müssen verstaatlicht werden. Schließlich hat der Staat auf Glücksspiele ein Monopol.

oliristau

Karfreitag: Meh-Dorn im Fleisch

Na das passt: Lasst uns mal alle zum Karfreitag die Meh-Dornenkrone aufsetzen und Buße tun für unsere Sünden der Nörgelei an der Arbeit und den Verdiensten unseres gekreuzigten Bahnchefs Hartmundus. Verdienste muss man wirklich sagen. Denn das Millionengehalt und die Abfindung (Mehdornsche Abwrackprämie) sind ja mehrere Verdienste.

Wir sind doch alle nur neidisch darauf, mit unseren Leben und Jobs nicht so toll und effizient zu sein wie der Bahntyp mit dem Dorn in der Person. Personalabbau, Streckenstilllegungen, Bespitzelungen, Durchsuchungen von Mitarbeitern: das dient doch alles nur einem guten Zweck: der Gewinnmaximierung des Unternehmens. Das braucht es doch dringend in unserer Shareholder-Velt. Wir sollten Mitleid haben, denn der Bahngewinn ist 2008 um ein Drittel auf nur noch 1,3 Mrd. Euro zusammengeschrumpft. Deshalb musste das Gehalt des Dornenmanns extrem leiden. Nur noch 2 statt 3 Millionrn gabs für dieses VERSAGEN.

Schade, dass der gesalbte Ex-Bahner nicht weiter machen darf. Der hätte mit Sicherheit noch da Kosten eingespart, wo es niemand vermutet, etwa in dem er alle Züge zur Erzielung eines Sondergewinns an Liebhabervereine verkauft, das Streckennetz an eine Heuschrecke platziert und die Bahn zu einem Immobilienkonzern und Dienstleister für Datenermittlung umbaut. Wofür brauchen wir schließlich in Zeiten der Abwrackprämie die Bahn?

Doch stattdessen wird unser Hartmut abgewrackt,  wir sollten Mitleid haben und nicht auf seine Millionenprämie schimpfen. Gerade zu Karfreitag gilt: menschliche Werte sind scheiße und gehören ans Kreuz. Das Profitdenken muss schnell wieder auferstehen. (Dieser Satz wurde ihnen präsentiert von der WirtschaftsWoche, dem Blatt des neoliberalen Widerstands)

oliristau

Nicht Nett von Marnette

Vor wenigen Wochen habe ich für die FR ein Interview mit Werner Marnette geführt, damals noch Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein. Wir wollten wissen, warum ein früherer Wirtschaftslenker in die Politik geht. Meistens ist es ja eher umgekehrt und überpeinlich wenn ein ehemals angeblich überparteilicher Politiker einen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen aus genau der Branche abschließt, die er vorher reguliert hat.

Wir trafen  uns in einem Café in Kiel auf ein Stück Käse-Sahne und der kleine, hemdsärmlige Minister konnte auch nichts gegen die Matronen-Kellnerinnen ausrichten (Nein, Sie können hier nicht sitzen, es ist reserviert, stimmt, erst in 2 stunden, aber wir müssen eindecken), auch weil er sich nicht als solcher zu erkennen gab.

Der Mann war früher Chef des Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie. Entgegen den Gepflogenheiten der Wirtschaftswelt war er sich nie zu Schade gewesen, die eigene Sippschaft anzugreifen, etwa wenn es um zu hohe Strompreise ging. Da war er nicht sehr nett, der Herr Marnette, man hätte ihn für einen Agiatator des Verbraucherschutzbundes halten können. Deshalb waren viele Wirtschaftsvertreter froh, als er als Wirtschaftskapitän abdankte und in die Politik ging.

Bei dem Interview berichtete er, dass er bei einem Besuch in einer Schule von einem Schüler gefragt worden sei, wie die Kieler Regierung denn eine Milliarde in die Rettung der HSH Nordbank stecken könne, wenn es in seiner Schule an allem mangele. Marnette schien ehrlich betroffen, als er erzählte, dass er es ihm auch nicht habe erklären können, da er diesen Schritt für falsch gehalten habe. Das ist der Grundkonflikt, den ein jeder Mensch verstehen dürfte: Auf der einen Seite Kinder, die nichts zum Lernen, auf der anderen hochbezahlte Bankmanager, die Milliarden verzockt – und damit massive Wertberichtigungen verursacht – haben und dennoch üppig entlohnt werden.

Seine Regierungskollegen fanden das Bekenntnis des Herrn Marnette nicht so nett. Der dicke Ministerpräsident mit der überschaubaren Ausstrahlung wollte sich lieber als Retter der Fischkopp-Zockerbude feiern lassen und brauchte keine Störfeuer. Aber der Rheinländer Marnette  ließ sich nicht den Mund verbieten, trat zurück und erklärte dem Spiegel, dass die Nieten in Kiel und Hamburg – beim gediegenen Verzehr von Krabben und edlem Wein – wohl noch viele weitere Milliarden durch den Kamin blasen werden. Das sind natürlich tolle Aussichten für Hamburg und Schleswig-Holstein.

Wenn die Schulen dereinst wegen Staatsbankrott der Länder geschlossen werden müssen und Schlaglöcher mit Kuhscheiße zugeschmiert werden, werden die Herren der HSH noch von den Zinsen ihrer Boni oder ihres Grundgehaltes leben. Wenn meine Kinder wegen solcher schreienden Ungerechtigkeiten dann zu Terroristen werden sollten, werde ich Ihnen das kaum als Charakterschwäche auslegen können.

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