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	<title>Wertberichtigung &#187; Allgemein</title>
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	<description>Oliver Ristau blokkt</description>
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		<title>Tunesien verschwunden</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 08:54:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tunesien gibt es nicht mehr. Das Land hat sich aufgelöst, davon gemacht zum Mars oder ist jetzt Anti-Materie. Der große Bruder wars nicht, auch wenn er jetzt ständig auf Seite 1,2,3 zu sehen ist. Der Aufstand in Tunesien war wohl nur eine Schimäre. Es wird nicht lange dauern, da ereilt auch Ägypten das gleiche Los. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tunesien gibt es nicht mehr. Das Land hat sich aufgelöst, davon gemacht zum Mars oder ist jetzt Anti-Materie. Der große Bruder wars nicht, auch wenn er jetzt ständig auf Seite 1,2,3 zu sehen ist. Der Aufstand in Tunesien war wohl nur eine Schimäre.<br />
Es wird nicht lange dauern, da ereilt auch Ägypten das gleiche Los. Das Land verschwindet, während Marokko oder Algerien die Schlagzeilen übernehmen, wahrscheinlich wäre das aber zu eintönig. Man bräuchte dann mal wieder Abwechslung von Nordafrika &#8211; langweilt doch sonst den Leser. Wie wäre es mit einem fingierten Bürgerkrieg irgendwo sonst auf der Welt oder im Meer auf 1000 Meter Tiefe.<br />
Gestern las ich in einer Statistik, dass die Wirtschaft Mexikos im letzten Jahr um mehr als 5 % gewachsen ist. Das muss wohl ein Fehler sein, denn ich dachte nach der Lektüre verschiedener seriöser deutscher Tageszeitungen in den letzten Monaten, dass das Land am Rande der Anarchie stünde. Die Drogenbosse, so die einhellige Meinung der braungebrannten Korrespondenten , wären kurz davor die Macht zu übernehmen. Ein Land im Chaos und eine florierende Wirtschaft das passt doch nicht. Es wird Zeit, dass sich diese Länder endlich mal entscheiden, um die berichtenden Kollegen vor den Gewissensbissen ihrere Einseitigkeit zu bewahren. Tunesier und Mexikaner höret: wir wollen eine klare Vorstellung eurer Welt- am besten ist das Chaos, das passt ideal zu unseren Vorurteilen.</p>
<p>Euer Doc Herzler</p>
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		<title>Vulkanasche (3)</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 10:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich hatte ich mir im Flugzeug vorgestellt, entspannt hinter der Zollkontrolle herauszufinden, ob es senegalesisches Bier gibt und welche kleinen Leckereien dazu gereicht werden. Doch das bleibt Phantasie. Ich hetze zur Handgepäckschalter, der weniger nach Hochsicherheit aussieht als nach Discount-Kasse. Die Prozedur ist schnell erledigt. Ich schaffe es tatsächlich noch ins Flugzeug. Es ist halb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Eigentlich hatte ich mir im Flugzeug vorgestellt, entspannt hinter der Zollkontrolle herauszufinden, ob es senegalesisches Bier gibt und welche kleinen Leckereien dazu gereicht werden. Doch das bleibt Phantasie. Ich hetze zur Handgepäckschalter, der weniger nach Hochsicherheit aussieht als nach Discount-Kasse. Die Prozedur ist schnell erledigt. Ich schaffe es tatsächlich noch ins Flugzeug. Es ist halb drei nachts. Ich bin fix und fertig, aber glücklich. Von wegen „overbooked“. Der Flieger ist halbleer. Das passt zu meinem Zustand. Ich nicke nach dem Start ein wenig ein und drei Stunden später setzt die Maschine zur Landung in Lissabon an. Meine letzte Information ist, dass es von hier nicht weitergehe, weil Madrid geschlossen sei. Ich bestelle mich schon auf den Umstand ein, von Lissabon mit dem Auto nach Hause zu fahren. Doch das ist auch egal. Ich bin einfach glücklich, wieder in Europa zu sein (ein Gefühl, dass ich so noch nie hatte). Schell stellt sich heraus, dass die Verbindungen nach Madrid noch bestehen. Die supernette Dame beim Check-in gibt mir widerstandslos die Bordkarte für den Flug in die spanische Hauptstadt.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Ich kaufe mir etwas Neues zu Anziehen, damit ich nicht so stinke, wenn ich in Madrid den Wagen abhole, den die Agentur auf meinen Namen bei Avis gebucht hat. Mir ist nämlich eingefallen, dass ich keinen Führerschein mithabe, was möglicherweise zu Schwierigkeiten bei der Anmietung führen könnte. Ich hoffe, dass man aufgrund der Extremsituation eine Ausnahme macht und sich mit einer gefaxten Kopie oder einem gemailten Scan zufrieden geben wird. Deshalb rufe ich Jenny an und bitte Sie, meinen Führerschein, der brav in der Schublade liegt, per Mail an die Agentur zu schicken.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">In Madrid herrscht das Chaos. Es ist der östlichste Flughafen Europas, der noch geöffnet ist. Valencia, Bilbao und Barcelona sind zu. Bei den Autovermietern herrschen riesige Schlangen, nur nicht bei Avis, weil dort groß angeschlagen steht, dass es keine Autos mehr gibt, ausgenommen den vorreservierten. Ich nenne meinen Namen und schon liegt der braune Umschlag mit dem Schlüssel bei der Sachbearbeiterin auf dem Tisch. Doch als ich ihr sage, dass ich ihr nur eine Führerschein-Kopie zeigen kann und meine Odyssee erkläre, wird sie hart wie ein Brett und weigert sich mir den Schlüssel zu geben. Ich verliere jeden Rest von Humor, der mir vielleicht noch irgendwo geblieben ist, und drohe, die Avis bei der Veröffentlichung meiner Reiseerlebnisse als Meuchelmörder darzustellen. Das beeindruckt sie gar nicht, und ich sehe mich verzweifelt um. Das kann doch nicht sein. Jetzt liegt es an diesem blöden Führerschein, und das mir, der zehn Jahre mit Kranken-, Kurier- und Taxifahren sein Geld verdient hat.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Ich beginne damit, sinnlos auf dem Flughafen hin und her zu laufen. Doch dann kommt mir plötzlich die Idee, mir irgendeinen aus der Schlange der frustriert auf Autos wartenden Menschen mit Führerschein als offiziellen Fahrer zu suchen. Die Situation ist wirklich krass. Wie ich später erfahre, gibt es in und um Madrid keine Mietwagen, und auch die Züge aus Spanien heraus Richtung Osten sind auf Tage ausgebucht.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Ich spreche zunächst einen Franzosen an. Doch der entpuppt sich als Teil einer vierköpfigen Reisegruppe mit Gepäck für acht. Dann frage ich einen US-Ami, der ebenfalls zu fünft ist, aber meint, zwei könnten ja mit mir mitfahren. Zunächst müsse er aber seinen reservierten Wagen bei Europcar klar machen. Ich willige ein und warte eine Stunde. Dann stellt sich heraus, dass Europcar trotzdem kein Auto für ihn hat, was die gemeinsamen Pläne also wieder zunichte macht. In diesem Moment spricht mich ein braungebrannter Typ an, der meint, ich sähe aus wie einer der ein Auto habe, aber keine Mitfahrer. Da hatte er verdammt recht, er hatte außerdem nur einen Mitstreiter und wollte zudem nach Prag. Einen Führerschein hatte er auch, und das bedeutete, dass wir uns eine halbe Stunde später tatsächlich in einem Passat TDi befanden und den schnellsten Weg<span> </span>zur Autobahn suchten. Petr und George kamen gerade von einer siebenmonatigen Weltreise wieder und hatten große Lust auf zu Hause. Also hatten wir die Strecke Madrid, Zaragossa, Barcelona, Girona, Perpignan, Narbonne, Montpellier, Avignon, Valence, Lyon, Macon bis halb 3 nachts passiert, um am nächsten Morgen bis Mittags Freiburg zu erreichen. Erwähnenswert ist da noch, dass ich mit 160 auf der Autobahn von Motorrad-Polizisten geblitzt wurde, die sich sehr verwundert darüber zeigten, dass ich ohne Führerschein fahre. Doch als ich Ihnen meine Geschichte erzählte, sqahen sie davon ab, mir deshalb Ärger zu machen sondern kassierten lediglich 45 Euro für zu schnelles Fahren. In Freiburg verlassen mich meine Mitfahrer wieder, die mir wie eine kleine Familie ans Herz gewachsen sind und ich nehme die letzten 750 Kilometer alleine in Angriff. Am Abend erreiche ich Hamburg und bin sehr dankbar, es damit noch zum Geburtstag meines Sohnes am nächsten Tag geschafft zu haben.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">In Afrika sagt man, dass die Seele nicht so schnell mit dem Körper eines Reisenden mitkommt. Ich glaube das stimmt, aber es ist mir egal. Dann warte ich auf sie halt noch ein paar Tage zu Hause.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">ENDE</p>
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		<title>Vulkanasche (2)</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 08:17:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8230; Ich telefoniere mit Gregor von der Solarfirma, die mich mit der Recherche von solarer Elektrifizierung in Südafrika beauftragt hatte. Eine Reiseagentur aus Deutschland will sich um meine Rückholung kümmern. Ich danke ihm. In den Mega-Einkaufsmeilen von Johannesburg-Sandton gibt es tatsächlich eine Optikerin, die mir innerhalb von 15 Minuten neue Gläser für meine Brille schleifen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Ich telefoniere mit Gregor von der Solarfirma, die mich mit der Recherche von solarer Elektrifizierung in Südafrika beauftragt hatte. Eine Reiseagentur aus Deutschland will sich um meine Rückholung kümmern. Ich danke ihm.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">In den Mega-Einkaufsmeilen von Johannesburg-Sandton gibt es tatsächlich eine Optikerin, die mir innerhalb von 15 Minuten neue Gläser für meine Brille schleifen kann. Fielmann bräuchte dafür drei Tage. Die Südafrikaner sind auch nicht teurer. Da klingelt mein Handy, das kaum noch Saft hat. Es ist der Kollege von der deutschen Reiseagentur:</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">„Wir können Sie hier rausholen. Aber Sie müssen sich schnell entscheiden.“ In zweieinhalb Stunden soll ein Jet nach Angola gehen, von dort könnte ich nach Lissabon und schließlich Barcelona weiter fliegen. Das hört sich gut an, ich bezahle die Brille und laufe los. Währenddessen rufe ich Jack, den Taxifahrer, an und bitte ihn in einer halben Stunde vorm Hotel zu sein. Ich kann mich jetzt zwar nicht wie geplant frisch machen und auch mein Handy kaum aufladen, aber Hauptsache es geht los. Kulanterweise berechnet die Dame an der Rezeption keine Übernachtung mehr und schon sitze ich in Jacks altem 124er Mercedes und wir brausen zum Airport. Aufgeregt suche ich auf der Anzeigetafel nach dem Reiseziel Luanda und stelle fest, dass die Check-In-Schalter schon geschlossen sind. Der Flug geht eine Stunde früher und steht zum Start bereit.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Alles umsonst? Ich rufe bei der Agentur an, die sich um weitere Möglichkeiten kümmern. Ich warte am Flughafen rund eine Stunde, dann hat das Reisebüro eine neue Verbindung: über Dakar, der Hauptstadt des Senegals, nach Lissabon und Madrid, um von dort mit dem Wagen nach Hause zu fahren. Das nehme ich gerne und stelle mich an den Schalter. Tatsächlich bucht die Dame für mich eine Bordkarte, allerdings nur bis Dakar. Dort, so lässt sie mich wissen, müsse ich noch mal nach Lissabon einchecken. Das schmeckt mir zwar nicht, aber wird schon gut gehen denke ich mir.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Der Flug dauert rund sieben Stunden. Es ist halb eins nachts als wir ankommen. Die Luft ist schwül und feucht. Moskitos schwirren um mich herum. Es gibt keinen Transit, alle müssen in den Senegal einreisen. Das heißt, eine Immigrationskarte ausfüllen, ist ja kein Problem, dann in die Schlange stellen und als ich dran bin, fragt der uniformierte Schwarzafrikaner mich nach einem „papier jaune“, einem gelben Papier, das ich nicht habe und das mir auch egal ist, schließlich will ich ja nicht in den Senegal. Doch der Mann ist unerbittlich. Ohne Impfausweis komme ich nicht weiter. Ein Reisender, der die Barriere passiert, ruft mir zu: „Hier braucht jeder einen Impfpass. Wenn Sie keinen haben, werden Sie von denen geimpft.“ Das kann ja heiter werden, ich sehe schon verseuchte Spritzen den Weg in meine Adern finden. Als alle passiert sind, nimmt er mich und zwei andere „ sans papiers jaunes“ mit in den Winkel des Gebäudes, wo wir vor einem schmutzigen kleinen Büro mit heller Verhörlampe stehen bleiben. So stellt man sich Folterzimmer in der Dritten Welt vor. „Olivier“ ruft er und meint mich. Ich setzte mich auf den speckigen Stuhl ihm gegenüber und er fragt, ob ich geimpft sei, was ich natürlich bejahe. Daraufhin bietet er mir einen Impfpass für zehn Euro an. Ich sage ja, habe aber nur 5 Euro in Bar, was ihn den Kopf schütteln lässt. Ich kann ihm aber noch 100 Rand geben, eigentlich zehn Euro, für ihn<span> </span>aber nur drei Euro Wert. Also lege ich den letzten 50 Rand-Schein noch drauf, mehr habe ich nicht. Zum Glück ist er zufrieden und ich bald im Besitz einer schlechten Kopie eines auf die Weltgesundheitsorganisation lautenden Passes, dessen zufolge ich gegen Cholera, Gelbfieber und andere Seuchen geimpft bin.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Dass das erst der Anfang ist, ahne ich nicht, als ich in der Ankunftshalle nach einem Hinweis auf den Abflugsbereich suche – ohne Erfolg. Ich muss den Flughafen verlassen und draußen wartet eine Schar schwarzer junger Männer, die alle ein Geschäft wittern als sie mich sehen. <span lang="EN-GB">„Hey mister/monsieur/vous etes d’ou/where`re you from/Taxi?“. </span>Beim Versuch sie zu ignorieren, wird einer böse, doch ich meine es ja nicht arrogant, ich will nur weiter, er versteht schließlich und klopft mir noch auf die Schulter. Gut, sich schon mal in Tanger und Marrakesch behauptet haben zu müssen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">Auch die Abflughalle sieht eher aus wie die Busbahnhöfe früher in Südspanien. Keinerlei Hinweisschilder, auch die Monitore an den Eincheckschaltern zeigen nichts an. Dennoch reihe ich mich korrekt ein, wenngleich ich die langsamste aller Schlangen erwische. Endlich bin ich dran und die Dame hinterm Schalter nimmt meinen Reisepass entgegen.</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">„Ich kann Sie hier nicht finden“, sagt sie nach wenigen Sekunden. Ich sage, das könne nicht sein. Die Agentur in Deutschland habe den Flug am Nachmittag gebucht. „Sie stehen hier nicht. Haben Sie keine Ticketnummer?“ „Nein, aber Sie müssen mich trotzdem mitnehmen“, sage ich mit wachsender Verzweifelung,<span> </span>„Ohne Ticketnummer bekommen Sie keine Bordkarte.“ Sie weist mich an, zu Monsieur soundso von der Firma xyz zu gehen. Sie schickt einen Flughafenmitarbeiter, mir das Büro des Verantwortlichen zu zeigen. Wir müssen in irgendein Nebengebäude, eine enge Treppe hoch, bis wir vor einem verrauchten Zimmer stehen bleiben, in dem sich der betreffende Monsieur gerade im angeregten Gespräch mit drei Landsmännern in traditionellen Kaftanen befindet. Vor mir warten noch drei Reisende. Meine Nervosität wächst sekündlich, doch ich weiß ich kann nichts tun außer warten. Fange ich an laut zu werden, werde ich das Gegenteil erreichen. Schließlich wendet sich der Mann mit dem gestreiften Hemd mir zu und sagt: „Ah, Ticketnummer. Da müssen Sie zu Monsieur soundso. Meine Kollegin zeigt Ihnen den Weg.“. Uns folgt ein Senegalese, der auch Schwierigkeiten beim Abflug hat. Er will über Lissabon nach Carracas. Als wir an den Schaltern vorbeikommen, ruft ihm jemand zu, jetzt habe er ein Ticket. Na toll, warum ich nicht? Und die Dame führt mich wieder raus auf den Vorplatz mit den wartenden Hundertschaften bis zur ein paar schmutzigen Containern gerade gegenüber, wo sie auf einen Mann hinter einer Glasscheibe zeigt, der für mich zuständig sei und sich gerade mit den drei Herren im Kaftan im angeregten Gespräch befindet. Ich habe keine Uhr, weil mein Handy leer ist, aber ich sehe die Minuten wie in einer Sanduhr verrinnen. Ich glaube eigentlich nicht mehr, diesen Flug zu bekommen, der wahrscheinlich der letzte nach Europa sein wird für die kommenden Monate. Ich sehe mich in Westafrika bleiben in irgendeinem Kraal, wenn es gut läuft oder ausgeraubt am Straßenrand. Während ich warte, machen sich ein paar Checker an mich ran, fragen nach Geld, wollen welches wechseln. Einer zeigt mir seinen Armstumpf und bittet um Unterstützung. Außer einem 50 Euro-Schein habe ich nichts mehr. Das sage ich aber nicht, denn sonst öffne ich die Büchse der Pandora, außerdem vermute ich, dass ich damit den Typen hinter der Glasscheibe noch bestechen muss. Endlich verlassen die drei Herren zufrieden mit einigen Tickets den Schalter. Er nimmt meinen Pass und sucht auf seinem Rechner nach irgendetwas, gibt Druckaufträge, aber die Maschine will nicht so richtig funktionieren. Deshalb nimmt er erst mal den Typen hinter mir dran und fachsimpelt mit ihm über die aktuellen Flugzeiten. Einen Telefonanruf <span> </span>reicht er mir unter der Durchreiche durch. Dort ist der Mann aus dem Flughafenbüro dran, der sagt: Schalter 29, hurry up. Aber der bebrillte Typ hinter der Glasscheibe braucht noch weitere Minuten, um dem Computer immer die gleichen Befehle zu geben, die nicht funktionieren. Schließlich kommt er auf die Idee, die Nummer auf einem Zettel zu vermerken. Ich renne los, nicht ohne den Umstehenden Menschen zu danken (wahrscheinlich dass sie mich in Ruhe gelassen haben, denn vor ihnen stand ein gut gemästetes Schwein, mit einem Laptop, einer Spiegelreflexkamera und einem Handy, die wohl mehr Wert waren, als alle zusammen im Jahr verdienen). Leider renne ich zum Ausgang hinein, was mehrere bis an die Zähne verwaffnete Militärs nicht hinnehmen können: „Monsieur. Pas de tout!!“. Auch wenn ich flehe, zum Schalter zu dürfen, weil mein Flug sonst weg ist, besteht der untersetzte Soldat mit dem Schweinegesicht darauf, dass ich wieder hinaus und durch den korrekten Eingang hineingehe.<span> </span>Das dauert wieder eine Minute und als ich schließlich vor dem Check-In stehe, heißt es, der Schalter sei geschlossen. Der Typ, der dort noch steht, will sich nicht erweichen lassen, bis eine Französin, die das ganze Spiel mitbekommen hatte, dem Mann klar macht, dass ich schon vor einer Stunde am Schalter stand und mich an diesem Desaster keine Schuld treffe. Bevor er entscheidet, nimmt seine Kollegin meinen Pass, um mich auf die Flugliste zu setzen. Er murmelt noch etwas von „overbooked“, was mir den nächsten Schweißausbruch beschert, doch schließlich lässt er sich herab, mir meine Bordkarte zu geben. Jetzt muss ich nur noch durch den Zoll, was zum Glück zügig geht, vor allem, weil ich dem Beamten klar machen kann, dass ich mich nur zum Transfer im Senegal aufgehalten habe. &#8230;</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">(Fortsetzung folgt)</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">
<p class="MsoNormal">
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		<title>Vulkanasche &#8211; ein Überlebnisbericht</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Apr 2010 10:56:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[cancelled]]></category>
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		<description><![CDATA[Danke, dass ich in Europa bin &#8211; selten habe ich das so gefühlt wie jetzt, wo meine Odyssee über die Kontinente vorbei ist. Ein großes ganz unfreiwilliges Abenteuer. Asche über meinem Haupt Ich will eigentlich nur weiterfliegen, doch es geht nicht. Von Johannesburg über Frankfurt nach Hamburg: ich habe am Flughafen schon alle Shops abgegrast, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke, dass ich in Europa bin &#8211; selten habe ich das so gefühlt wie jetzt, wo meine Odyssee über die Kontinente vorbei ist. Ein großes ganz unfreiwilliges Abenteuer.</p>
<p><strong>Asche über meinem Haupt</strong></p>
<p>Ich will eigentlich nur weiterfliegen, doch es geht nicht. Von Johannesburg über Frankfurt nach Hamburg: ich habe am Flughafen schon alle Shops abgegrast, als ich &#8211; noch vier Stunden Zeit bis zum Abflug &#8211;  mal nachsehe, ob ich schon einchecken kann und dann auf der Anzeigetafel neben Frankfurt „cancelled&#8221; lese. Hektisch laufe ich im Kreis mit meinen an den Schultern zerrenden Umhängetaschen mit Laptop und Kamera bis ich vor einem Premium-Voyager-Stand von Southafrican Airways anhalte und eine Dame auf das Phänomen hinweise.</p>
<p>„Wegen des Vulkans sind alle Flüge nach Deutschland und England gestrichen&#8221;, sagt sie.</p>
<p>„Was für ein Vulkan&#8221;, frage ich zurück. Ich denke an den Vesuv oder den Ätna. Die SA-Mitarbeiterin weiß es auch nicht so genau.</p>
<p>Tags zuvor habe ich mir meine Brille beim Versuch auf dem Dach der größten Universität von Namibia in Ondangwa herumzuklettern zerbrochen. An sich bin ich ohne sie recht blind. Doch mir blieb meine Sonnebrille, die ebenfalls geschliffene Gläser zum Ausgleich der Kurzsichtigkeit hat. Na ja, dachte ich mir, sind ja nur noch zwei Tage bis nach Hause, das schaffe ich auch mit der Sonnenbrille.</p>
<p>Doch jetzt, am Flughafen von Johannesburg, wo Wagen mit Koffern hin- und herjagten, Menschen orientierungslos nach irgendwelchen hilfreichen Schildern Ausschau hielten, fühle ich mich mit meiner abgedunkelten Sehhilfe angesichts des langsam zur Neige gehenden Tages ziemlich blind und obendrein noch dämlich wie so ein cooler Fredel, der seine Sunglasses nie abnimmt.</p>
<p>Doch lamentieren hilft wenig, also stolpere ich in Richtung der Flughafenhotels, wo sich freundliche Südafrikaner in tadellosen Anzügen und Krawatten darum bemühen, die halbe Stadt nach Unterkünften abzutelefonieren. Endlich haben sie etwas für uns Wartende gefunden im Nobelstadtteil Sandton und stopfen mich schon ins Taxi, noch bevor ich meinen Koffer vom Flughafen organisieren kann. Den habe ich am Vormittag in Windhoek aufgegeben, wo ich meine Rückreise mit Ziel Hamburg startete.</p>
<p>Was war überhaupt passiert? Aschewolken über Hamburg? Die Stadt verschüttet wie Pompei? Ich rufe meine Frau an, die mir von Island erzählt und auf meine Frage, ob sie nun im Ascheregen stünden nur fröhlich entgegnet: „Nein, hier ist blauer Himmel. Die Kinder spielen im Garten.&#8221; Da habe ich wohl übertriebene Endzeitphantasien wie aus einem Roland Emmerich-Film.</p>
<p>Im Hotel das wahre Chaos. Wild gestikulierende und halb verzweifelte Reisende versuchen einchecken und fragen nach neuesten Informationen. Mein Taxifahrer will auch bezahlt werden, ich habe kein Bargeld mehr. Bleibt die Kreditkarte, ich bete, dass sie funktioniert und als die Dame an der Rezeption sie noch mal in den Schlitz schieben muss, sehe ich mich schon auf der Straße liegen, ein bereitwilliges Opfer für diebische Banden, die&#8230;. Doch dann rattert die Maschine, das Geld wird abgebucht. Der Fahrer freut sich und wünscht mir Glück. Ein britischer Familienvater sagt, es könne eine Woche dauern, bis man wieder wegkommt. Auf dem Zimmer fange ich erstmal an zu heulen. Wann sehe ich meine Familie wieder?</p>
<p>Ich reiße mich zusammen und rufe meine Frau wieder an, sage ihr, dass alles in Ordnung ist, schließlich habe ich ein Zimmer und bin gesund. Mein kleiner Sohn will mich sprechen und sagt ich soll nach München fliegen und von dort mit dem ICE fahren. Ich habe einen Kloß im Hals und kann nicht sprechen. Er wünscht sich so, dass ich zu seinem Geburtstag nächsten Dienstag da sein werde. Ich verspreche alles dafür zu tun.</p>
<p>Ich überlege, wie sie Menschen früher gereist sind, als es noch keine Flugzeuge und Touristenklassen gab. Eroberer und Missionare kamen mit dem Schiff. Doch das dauert Wochen und ich müsste erstmal an die Westküste. Und der Landweg? Botswana und Mosambique gingen ja noch. Aber Kongo und Sudan? Da könnte ich mich auch direkt aus dem Hotel stürzen.</p>
<p>Waschen kann ich mich nicht, weil mein Koffer fehlt, noch nicht mal Zähne putzen. Außerdem ist alles dunkel, trotz des elektrischen Lichts wegen meiner Sonnebrille. Trotzdem entscheide ich mich mal raus zu gehen in die Edel-Einkaufsmeile am Nelson-Mandela-Platz. Immerhin finde ich einen Geldautomaten, der mir Cash beschert. Das steigert meine Laune ein wenig. Ich versuche es mal ohne Brille, doch ich stolpere genauso und erkenne noch weniger, auch wenn es insgesamt ein bisschen heller ist.</p>
<p>Ich nehme ein paar Bier in  der Hotelbar und erfahre beiläufig, dass SA alle Reisende am nächsten Tag um 11 Uhr zum Airport bringen will. Im Internet finde ich keine Updates. Alles gecancelled.</p>
<p>Auch am nächsten Morgen bemühen sich Lufthansa und Co kaum, aktuelle Infos ins Netz zustellen, also sammeln sich alle Reisenden an den Bussen der Airlines. Ich entschließe mich, mit dem Taxi zu fahren, um vor der Meute da zu sein. Mit Hilfe von Jack, dem freundlichen Fahrer und Vater von vier Kindern, der mit seinen Einnahmen diverse Familienzweige versorgt, bin ich wenig später am OR Tambo-Airport und stelle mich an den Premium-Schalter, auch wenn ich nur ein einfacher Economy-Gast bin. Doch so erfahre ich schneller, wofür andere Stunden in den Schlangen verbringen: es gibt bis auf weiteres keine Flüge. Ich gehe zum Gepäckschalter und tatsächlich, mein Koffer aus Windhoek ist da. Ich fahre mit Jack zurück zum Hotel und buche mich für zwei weitere Tage ein. Ich glaube kaum, dass ich vorher hier wegkomme.</p>
<p>(Fortsetzung folgt)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Keine Inspiration</title>
		<link>http://www.wertberichtigung.com/2010/03/03/keine-inspiration/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 09:11:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[axolotl]]></category>
		<category><![CDATA[feuilleton]]></category>
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		<category><![CDATA[schlauberger]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich schreiben soll. Es gibt nichts, wozu ich jetzt unbedingt meinen Senf geben müsste. Ich habe keine tollen, intelligenten Einfälle &#8211; und das seit Wochen. Aber ganz ehrlich: muss ja auch nicht sein. Ich bin ja nicht bei meinem Blog angestellt, auch wenn mein Chef mir gerade sagte, jetzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich schreiben soll. Es gibt nichts, wozu ich jetzt unbedingt meinen Senf geben müsste. Ich habe keine tollen, intelligenten Einfälle &#8211; und das seit Wochen.<br />
Aber ganz ehrlich: muss ja auch nicht sein. Ich bin ja nicht bei meinem Blog angestellt, auch wenn mein Chef mir gerade sagte, jetzt werde es mal wieder Zeit für einen witzigen, erhellenden Blök-Beitrag.<br />
So wie die armen Kollegen aus den Feuilletons, die sich täglich irgendetwas Schlaues aus den Fingern saugen müssen. Ich kann gut ihre Frustration verstehen, denn es gelingt ihnen selten. Etwa wenn sie versuchen, auf 100 Zeilen einen neuen Roman niederzumachen oder ein Schauspiel, wofür Autoren und Dramatiker Jahre ihres Lebens verwendet haben.<br />
Aber es herrscht in den Kulturredaktionen ja auch ein Hauen und Stechen &#8211; schlimmer als im Iran. Beispiel: letztens schrieb &#8220;ein namhafter Kritiker, der der Redaktion bekannt ist&#8221;, unter falschen Namen einen Beitrag in der Frankfurter Rundschau über ein gerade angesagtes Buch, bei dem die junge Autorin von einem andernen Buch abgeschrieben, die Journalisten das aber in ihrem Hype nicht bemerkt hatten. Er ging kritisch mit den Kritikern ins Gericht, traute sich aber nicht, seinen Namen zu nennen.  Was wir offenbar noch nicht wussten: Die Kritikergilde und Feuilleton-Journalisten sind die meist verfolgteste Berufsgruppe überhaupt.</p>
<p>Aber wir brauchen solche Schlauberger, die uns den Spiegel vorhalten. Mal wieder über den Kollegen gelästert, als der reinkommt, ihn  dann angegrinst. &#8220;Hähä, na wie gehts? Siehst gut aus&#8221;</p>
<p>Sie benutzen aber viel intelligentere Worte. Versteht zwar keiner, aber macht Eindruck. Sollte doch einer was kapieren, versteckt man sich hinter dem eigenen Mundgeruch. Die Kollegen sind ja auch schlecht bezahlt und mit Recht frustriert, weil sie für ihre Ergüsse nie mehr Platz bekommen als 100 bis 120 Zeilen, aber viel mehr zu sagen hätten.<br />
Mir gehts da anders. Mir fällt mir immer noch nichts ein, über das ich schreiben könnte &#8211; einfach keine Inspiration.<br />
Na dann bis zum nächsten Versuch&#8230;</p>
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		<title>Oh Adolf &#8211; bewahre uns vor den Asozialen</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 08:59:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Damals war die Welt in Hamburgs Elbvororten noch in Ordnung. Wir sammelten Geld und unterstützten diese Gruppierung, die versprach, die kommunistischen Auswüchse mal so richtig zu beschneiden. Wir sind das Kapital, geben und schweigen sonst. Auch Herr Schill konnte sich auf unsre großzügigen Spenden verlassen, als er mit dem Versprechen antrat, all das Gesocks &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damals war die Welt in Hamburgs Elbvororten noch in Ordnung. Wir sammelten Geld und unterstützten diese Gruppierung, die versprach, die kommunistischen Auswüchse mal so richtig zu beschneiden.<br />
Wir sind das Kapital, geben und schweigen sonst.<br />
Auch Herr Schill konnte sich auf unsre großzügigen Spenden verlassen, als er mit dem Versprechen antrat, all das Gesocks &#8211; also auch die SPD &#8211; zu beseitigen. Wir wußten ja nicht, dass er alles wegkoksen würde.<br />
Doch manchmal muss man auch sein Wort erheben, so wie jetzt gegen die sozialistischen Bestrebungen des Hamburger Senats, die Kinder gemeinsam länger in einer Grundschule zu quälen. Wer will schon, dass seine hübschen Kindchen mit den sauberen Jäckchen und frisch frisierten Häärchen mit Asozialen länger als notwendig zusammenleben? Die Grundschule an sich ist ja eine eigentlich schon unverantwortbare Gleichmacherei. Da kann doch niemand allen Ernstes sie auch noch verlängern wollen.<br />
Reich bleibt reich und edel. Wir haben nichts gegen die Assis, wir wollen sie einfach nur nicht sehen. Wir wollen lernen, heißt unsere Initiative, und zwar vor allem, dass alles so bleibt wie es ist. Hätte der Mann damals den Krieg nicht so plump verloren, stünden wir hier an der Elbe noch deutlich besser da. Kriminelle Ausländer, von denen uns die Medien berichten, gäbe es keine. Alles wäre sauber. Auch die Penner, die sich bei uns am Bahnhof Blankenese rumtreiben, wären in schönen Lagern.<br />
Wir wollen lernen, dass die Vergangenheit die besten Besipiele parat hat.<br />
<strong>Rohrstock statt Rotze</strong> &#8211; oh da ist mir ja mal wieder ein toller Slogan für die bevorstehende Diskussion mit den Sozialisten von SPD, Grünen und CDU eingefallen. Vielleicht könnte ja auf unseren Plakaten ein ganz kleines Pluszeichen mit vier so schönen Häkchen an jedem Ende als Symbol unserer Lernbereitschaft prangen. Man muss nur Ideen haben.</p>
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		<title>Haiti: Manchmal ein Bericht Wert</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 09:47:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern war ich im Sportstudio, um den Körper fit zu halten. Während ich ein paar Hanteln versuchte zu stemmen, starrte ich auf den Bildschirm eines der  tonlos mitlaufenden Fernseher. Es lief N24. Während der Sender eine grenzdebile Reportage über abgehalftere Frauen bei einem Saufgelage auf Mallorca zeigte, wischte am unteren Rand die rote Nachrichtenzeile mit News [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern war ich im Sportstudio, um den Körper fit zu halten. Während ich ein paar Hanteln versuchte zu stemmen, starrte ich auf den Bildschirm eines der  tonlos mitlaufenden Fernseher. Es lief N24. Während der Sender eine grenzdebile Reportage über abgehalftere Frauen bei einem Saufgelage auf Mallorca zeigte, wischte am unteren Rand die rote Nachrichtenzeile mit News aus Haiti durchs Bild. Die Schlagzeilen waren: <em>Hauptstadt zu 70 Prozent zerstört &#8211; Überall Leichen &#8211; dramatische Szenen auf den Straßen &#8211; Experte: Haiti für Jahrzehnte zurückgeworfen.<br />
</em>Insbesondere die letzte Headline ist erstaunlich. Das Land war schon vor dem Erdbeben Jahrzehnte zurück. Es müsste jetzt wohl in die Vergangenheit reisen, um diesen Abstand noch weiter zu vergrößern.<br />
Aber Hauptsache dramatisch in Wort und Bild. Damit es in den Kopf knallt. Dann ist gut. Übermorgen fragt keiner mehr nach.<br />
Eine typische Szene aus einer Redaktion mehrere Tage nach dem Beben.<br />
<em>Junger Kollege</em>: Chef, heute wieder Haiti vorne?<br />
<em>Ressortleiter</em>: Wo denkst du hin? Das Thema ist durch!<br />
<em>JK</em>: Aber den Menschen geht es doch heute noch schlechter als gestern. Darüber sollten wir berichten.<br />
<em>Ressortleiter</em>: Wissen doch alle schon. Es geht im übrigen nicht um Menschen, sondern um Themen. Wir brauchen was Neues. Gabs da nicht ein Lawinenunglück?<br />
<em>JK:</em> Und wenn da noch mehr sterben?<br />
<em>Ressortleiter</em>: Woanders sterben auch Menschen. Die wollen auch mal auf die erste Seite.</p>
<p>Während ich mich mit den 8-Kilo-Hanteln abmühte, soff eine Schabracke, die trotz Fingerdicker Schichten Make-Up ihre Falten nicht verbergen konnte,  in einer Kneipe einen Schnaps nach dem nächsten. Unten hieß es weiter: <em>enorme Seuchengefahr &#8211; Menschen verzweifelt &#8211; Tausende in Trümmern vermutet </em>usw.<br />
Ich schmeiß die Hanteln auf das Gestell. Wie im Fernsehen und bei der Schlagzeilensuche auch: Hauptsache laut.</p>
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		<title>Ich schwör dir&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 23:44:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unter Jugendlichen hört man es oft: &#8220;Alter, ich schwöör Dir, der Typ hat einen Opel &#8220;. Es muss kein GM-Fahrzeug sein, sondern irgendeine andere Kleinigkeit, über deren Wahrhaftigkeit unser Nachwuchs beteuerend Zeugnis ablegt. Geschwört wird ständig, egal ob beim Typ des Biers, beim Riesenpopel des Kollegen oder beim Offenstehen des Mundes eines alten Spießers. Doch wir sollten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter Jugendlichen hört man es oft: &#8220;Alter, ich schwöör Dir, der Typ hat einen Opel &#8220;. Es muss kein GM-Fahrzeug sein, sondern irgendeine andere Kleinigkeit, über deren Wahrhaftigkeit unser Nachwuchs beteuerend Zeugnis ablegt. Geschwört wird ständig, egal ob beim Typ des Biers, beim Riesenpopel des Kollegen oder beim Offenstehen des Mundes eines alten Spießers. Doch wir sollten den Stab nicht zu früh über unsre Jugend brechen. Denn auch wir Erwachsene, ja die ganze gute Gesellschaft schwört andauernd. Nehmen Sie das Gericht. Dort wird auf die Heilige Schrift geschworen genauso wie bei der Vereidigung von Bundeskanzlern.<br />
Das zeigt uns auch die Bigotterie der Religion. Warum das denn jetzt, mag manch einer fragen, und mit Recht. Das ist die Antwort:<br />
Ich lese aktuell ein mir zur Weihnacht geschenktes weil von mir gewünschtes Buch mit dem Titel &#8220;Der abenteuerliche Simplicissimus&#8221; von Herrn von Grimmelshausen in einer dem neuen Deutschen 2009 angepassten Version. Das Werk gilt als der erste deutsche Roman, spielt im 30jährigen Krieg (1618-48) und schildert das Leben eines simplen Gesells, der aufgrund seiner Unwissenheit weiser weil unverderbter ist als alle Schlauen zusammen. Dort wundert sich der Simplicius, der seinen Namen nicht kennt, nach zwei Jahren bei einem religösen Einsiedler darüber, dass die Menschen ständig irgendetwas bei irgendjemandem schwören &#8211; gerne auch beim Teufel oder dem eigenen Stuhlgang. Mir wollen hier beiseite lassen, dass es den Heiligen Stuhl ja gibt und daher der Stuhlgang eine besonders sakrale Tätigkeit sein mag. Simplicius verweist auf das Neue Testament, in dem Jesus seine Zuhörer anweist, überhaupt niemals zu schwören sondern auf Fragen nur mit Ja oder Nein zu antworten. Erstaunlich, wie beharrlich das von der ach so christlichen Gesellschaft ignoriert wird.<br />
Aber das gilt natürlich auch für den Islam. Im Iran ist es jetzt ja sogar en vogue, am höchsten schiitischen Feiertag Kritiker niederzumetzeln (das war vorgestern) - ach wie überzeugend für eine Regierung, die sich von Allah legitimiert sieht.<br />
Überall die gleiche Anmaßung. Wie wärs, wenn man einfach davon überzeugt ist, was man sagt. Stattdessen muss die Bibel, das Grab der Oma oder der heilige Fussballverein herhalten.<br />
Aber ehrlich, mir ist das alles nicht so wichtig, ich schwörs&#8230;</p>
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		<title>Ist das peinlich. Alles wegen IKEA</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 10:55:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<category><![CDATA[bezirksamt]]></category>
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		<description><![CDATA[Als Journalist spricht man mit vielen Menschen und macht sich auch nicht nur Freunde. Das ist klar. Doch selten habe ich mich so blöd behandelt gefühlt wie vom Bezirksamt Altona. Und zwar alles wegen Ikea. Muss das sein? Die Geschichte: ich wollte zu einigen Themen, die in Altona gerade aktuell sind, mit dem Bezirksamtsleiter (der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Journalist spricht man mit vielen Menschen und macht sich auch nicht nur Freunde. Das ist klar. Doch selten habe ich mich so blöd behandelt gefühlt wie vom Bezirksamt Altona. Und zwar alles wegen Ikea. Muss das sein?</p>
<p>Die Geschichte: ich wollte zu einigen Themen, die in Altona gerade aktuell sind, mit dem Bezirksamtsleiter (der ist so etwas wie der Bürgermeister Altonas) sprechen. Dabei sollte es unter anderem um den umstrittenen Neubau eines Ikea-Hauses in der Innenstadt gehen. Die Vermittlung des Gesprächs übernahm der Pressesprecher des Amtes. Zwei Wochen später publizierte ich einen Bericht in einer überregionalen Frankfurter Zeitung, in dem ich die Kritik an dem Ikea-Projekt darstellte. Zu Wort kamen neben den Gegnern Ikea selbst, der Bezirksamtsleiter als Befürworter sowie der Einzelhandelsverband, die Gesellschaft für Konsumforschung sowie eine Soziologieprofessorin. Wenig später erreichte ein erboster Leserbrief die Redaktion, in der auf die Unausgewogenheit des Berichtes geschimpft und der Zeitung empfohlen wurde, sich doch besser um Frankfurt zu kümmern.</p>
<p>Solche Briefe sind nicht ungewöhnlich, doch peinlich war, dass es sich beim Absender um den Pressesprecher des Bezirksamtes handelte, der sich als Privatmann äußerte und deshalb wohl glaubte, umso unqualifizierter die Meinung des Bezirksamtes wiedergeben zu können. So etwas, lieber Herr D., gehört sich nicht. Das wissen Sie hoffentlich selbst.</p>
<p>Aber in der Beeinflussung der Medien ist manchem wohl nichts heilig, das gilt auch für unbedeutende Provinzler. Altona ist eigentlich ein schönes Pflaster. Aber wenn das Geld zu kommen droht, scheint mancher richtig durchzudrehen.</p>
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		<title>Back from China</title>
		<link>http://www.wertberichtigung.com/2009/11/27/back-from-china/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 15:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oliristau</dc:creator>
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		<category><![CDATA[bank of china]]></category>
		<category><![CDATA[bewertung]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt reicht es aber mal mit der Funkstille. Doch ich war eine Woche in China und vor lauter Staunen kam ich nicht zum Schreiben. Zum ersten Mal war ich im kommunistischen Riesenreich und erstaunt schon bei der Einreise um eine Bewertung der Freundlichkeit des Zollbeamten gebeten zu werden. Man konnte einen Knopf drücken, nachdem man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt reicht es aber mal mit der Funkstille. Doch ich war eine Woche in China und vor lauter Staunen kam ich nicht zum Schreiben. Zum ersten Mal war ich im kommunistischen Riesenreich und erstaunt schon bei der Einreise um eine Bewertung der Freundlichkeit des Zollbeamten gebeten zu werden. Man konnte einen Knopf drücken, nachdem man seinen Pass wiedererhalten hat. Und dass ganz ohne MP im Rücken.</p>
<p>Als ich tags drauf in einer Filiale der Bank of China Geld wechseln wollte, waren die ersten Worte, die ich in englisch vernahm: &#8220;Welcome to our bank&#8221;. Da war kein Roboter sondern ein kleiner, bebrillter, leicht verpickelter Bankangesttellter, der lächelte und eine angedeutete Verbeugung machte. Er half mit beim Ausfüllen der Formulare und schaute sich sehr interessiert meinen Ausweis und den 50 und 20 Euroschein an, die ich tauschen wollte. Nach einer langen Umrechnung kramte er aus seiner Schublade 689,83 Yuan hervor und überreichte sie mir. Und wieder gab es die Möglichkeit, den Mann zu bewerten. Er bekam von mir volle Punktzahl und von seinen Kolleginnen anerkennende Klopfer auf den Rücken. Zum Abschied hieß es nochmal &#8220;welcome to our bank&#8221;. Stellen Sie sich das mal vor, wenn Sie eine Filiale der Deutschen Bank, Commerzbank oder Hamburger Sparkasse betreten. Sie würden glauben, der Bankangestellte hätte Drogen genommen und wäre auf einem Trip.</p>
<p>Ich verstehe zwar kein chinesisch, und dennoch habe ich nicht den Eindruck, dass Jammern dort zum Lebensinhalt zählt. Es gibt Streits aber die wenigsten beschweren sich über das was sie tun. Dazu zählt zum Beispiel in zwei Jahren Solarfabriken aus dem Boden zu stampfen, wo selbst gute deutsche Unternehmen vier Jahre brauchen. Irgendwie ist da ein anderer Drive. Wenn China nicht irgendwann im sozialen Chaos und Bürgerkrieg landet, weil die Menschen gegen die Regeirung aufbegehren, wird uns das Land schnell überholen. Die Regierung macht das geschickt. Wenn es nicht gerade um die Politik geht, können die Leute tun und lassen was sie wollen, sogar gegen chinesische Unternehmen wegen schlechter Arbeitsbedingungen vor Gericht klagen.</p>
<p>Welcome to Europe. Ist ja vieles schön hier, aber gäbe es überall Bewertungsknöpfe, wäre das Ergebnis der Evaluierung nicht so gut wie auf meiner kleinen Reise nach China.</p>
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