Monatsarchiv für Februar 2011

oliristau

Gaddafi und Vattenfall

In Zeiten von Gaddafi ist das mit der Propaganda so eine Sache. Insbesondere, wenn es dabei um die Jugend geht. Die Firma Vattenfall scheint sich um den diesbezüglichen Jugendschutz wenig zu kümmern wie ich feststellen musste, als ich letztes Wochenende bei der Verleihung der Hamburger “Jugend forscht”-Preise dabei sein durfte. Der gepflegt gegelte Vattenfall-Vertreter war sich nicht zu schade, den jungen Forschern über Minuten zu erzählen wie umweltfreundlich sein Unternehmen doch sei. Das gelte insbesondere für die Stromerezugung aus regenerativen Energien. Vattenfall sei “weltweit der größte Erzeuger von Windstrom aus Anlagen auf dem Meer”. Das löste im Saal verständliches Gemurmel aus. Denn leider ist das völlig gelogen wie sich leicht nachprüfen lässt. Die Jugendlichen wurden unruhig. So leicht lassen sich junge Forscher denn doch nicht hinter das Licht führen.
Doch dem Kohle- und Atomstromkonzern ging es als Sponsor der Veranstaltung offensichtlich nur um eines: beim Fototermin mit den jungen Preisträgerinnen und Preisträgern besonders glatt zu grinsen.

oliristau

Tunesien verschwunden

Tunesien gibt es nicht mehr. Das Land hat sich aufgelöst, davon gemacht zum Mars oder ist jetzt Anti-Materie. Der große Bruder wars nicht, auch wenn er jetzt ständig auf Seite 1,2,3 zu sehen ist. Der Aufstand in Tunesien war wohl nur eine Schimäre.
Es wird nicht lange dauern, da ereilt auch Ägypten das gleiche Los. Das Land verschwindet, während Marokko oder Algerien die Schlagzeilen übernehmen, wahrscheinlich wäre das aber zu eintönig. Man bräuchte dann mal wieder Abwechslung von Nordafrika – langweilt doch sonst den Leser. Wie wäre es mit einem fingierten Bürgerkrieg irgendwo sonst auf der Welt oder im Meer auf 1000 Meter Tiefe.
Gestern las ich in einer Statistik, dass die Wirtschaft Mexikos im letzten Jahr um mehr als 5 % gewachsen ist. Das muss wohl ein Fehler sein, denn ich dachte nach der Lektüre verschiedener seriöser deutscher Tageszeitungen in den letzten Monaten, dass das Land am Rande der Anarchie stünde. Die Drogenbosse, so die einhellige Meinung der braungebrannten Korrespondenten , wären kurz davor die Macht zu übernehmen. Ein Land im Chaos und eine florierende Wirtschaft das passt doch nicht. Es wird Zeit, dass sich diese Länder endlich mal entscheiden, um die berichtenden Kollegen vor den Gewissensbissen ihrere Einseitigkeit zu bewahren. Tunesier und Mexikaner höret: wir wollen eine klare Vorstellung eurer Welt- am besten ist das Chaos, das passt ideal zu unseren Vorurteilen.

Euer Doc Herzler