oliristau

Fachzeitung unterbelichtet

Wer öfter diesen Blog besucht, weiß, dass die Autoren hier die Kollegen der schreibenden Zunft gerne kritisch aufs Korn nehmen, wenn sie der unmaßgeblichen Meinung sind, dass das objektive Wort zu kurz kommt.
Da findet man reichlich Munition in den Bleiwüsten dieser Welt.
Ein besonders hervorragendes Beispiel intelligenter und ausgewogener Berichterstattung liefert aktuell die solare Fachzeitschrift “Photon”.  Sie untersucht in Ihrer Märzausgabe die Auswirkungen eines neuen Vorschlags zur Selbstnutzung des Solarstroms, dem so genannten Eigenverbrauch.Das wäre ja eigentlich völlig uninteressant, wenn das Magazin nicht seit Jahren durch gezielte Meinungsmache (ein als Medium erfolgreich getarnter Lobbyverband) gegen den Solarstrom auffallen würde.
Der Bericht transportiert in beeindruckender Weise den ganz außergewöhnlichen ökonomischen Sachverstand der Redaktion. So fällt den Schlaubergern doch tatsächlich auf, dass alle die künftig Solarstrom selbst verbrauchen, keinen Normalstrom mehr bei ihren Versorgern ordern.  Die Stromerzeuger könnten ihren Strom an die Eigenverbraucher nicht mehr verkaufen.  Dem Staat, so die bestechende Logik, entginge infolge die Stromsteuer. Das sei dramatisch für die Rentenkasse, wo die Steuer schließlich landet. Es heißt dort wörtlich: “Wer Solarstrom selbst verbraucht, schadet den Rentern”.
Aber, liebe Redaktion, diese Bösewichter finden sich nicht nur unter den Eigenverbrauchern, sondern unter allen Menschen, die versuchen Strom zu sparen. Jeder, der eine Energiesparlampe verwendet, bringt die Renter um eine gesunde Mahlzeit. Also Leute: Nachtspeicheröfen und Lichter an, dass die Zähler munter Karussell fahren. Das macht unsere Atomkraftwerke dauerhaft rentabel und die Renten sicher. Danke Photon. Hier strahlt eure Unterbelichtung besonders kurzwellig.

Dazu liefert die Postille noch eine auf Klassenkampf setzende Karikatur mit einem meckernden, behinderten Opa und schlecht gelaunten Kindern. Danke Photon für diese Intelligenzleistung. Der Opa ist wahrscheinlich der Herausgeber und die Kinder die Chefredaktion.

Toll, dass die Welt so einfach ist im regensicheren Aachen. Aber man muss auch verstehen, wenn die Kollegen es der Sonne heimzahlen wollen, da sie so selten scheint.
Es  grüßt Sie ganz herzlich Ihr Doc Herzler

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