30.12.2009
Ich schwör dir…
Unter Jugendlichen hört man es oft: “Alter, ich schwöör Dir, der Typ hat einen Opel “. Es muss kein GM-Fahrzeug sein, sondern irgendeine andere Kleinigkeit, über deren Wahrhaftigkeit unser Nachwuchs beteuerend Zeugnis ablegt. Geschwört wird ständig, egal ob beim Typ des Biers, beim Riesenpopel des Kollegen oder beim Offenstehen des Mundes eines alten Spießers. Doch wir sollten den Stab nicht zu früh über unsre Jugend brechen. Denn auch wir Erwachsene, ja die ganze gute Gesellschaft schwört andauernd. Nehmen Sie das Gericht. Dort wird auf die Heilige Schrift geschworen genauso wie bei der Vereidigung von Bundeskanzlern.
Das zeigt uns auch die Bigotterie der Religion. Warum das denn jetzt, mag manch einer fragen, und mit Recht. Das ist die Antwort:
Ich lese aktuell ein mir zur Weihnacht geschenktes weil von mir gewünschtes Buch mit dem Titel “Der abenteuerliche Simplicissimus” von Herrn von Grimmelshausen in einer dem neuen Deutschen 2009 angepassten Version. Das Werk gilt als der erste deutsche Roman, spielt im 30jährigen Krieg (1618-48) und schildert das Leben eines simplen Gesells, der aufgrund seiner Unwissenheit weiser weil unverderbter ist als alle Schlauen zusammen. Dort wundert sich der Simplicius, der seinen Namen nicht kennt, nach zwei Jahren bei einem religösen Einsiedler darüber, dass die Menschen ständig irgendetwas bei irgendjemandem schwören – gerne auch beim Teufel oder dem eigenen Stuhlgang. Mir wollen hier beiseite lassen, dass es den Heiligen Stuhl ja gibt und daher der Stuhlgang eine besonders sakrale Tätigkeit sein mag. Simplicius verweist auf das Neue Testament, in dem Jesus seine Zuhörer anweist, überhaupt niemals zu schwören sondern auf Fragen nur mit Ja oder Nein zu antworten. Erstaunlich, wie beharrlich das von der ach so christlichen Gesellschaft ignoriert wird.
Aber das gilt natürlich auch für den Islam. Im Iran ist es jetzt ja sogar en vogue, am höchsten schiitischen Feiertag Kritiker niederzumetzeln (das war vorgestern) - ach wie überzeugend für eine Regierung, die sich von Allah legitimiert sieht.
Überall die gleiche Anmaßung. Wie wärs, wenn man einfach davon überzeugt ist, was man sagt. Stattdessen muss die Bibel, das Grab der Oma oder der heilige Fussballverein herhalten.
Aber ehrlich, mir ist das alles nicht so wichtig, ich schwörs…