Monatsarchiv für Februar 2009

oliristau

Kapitel 1: Kurstableau (1)

Leute, jetzt gehts los. Ich werde euch in den kommenden Wochen und Monaten meinen Roman “Wertberichtigung” vorstellen, und zwar chronologisch, auch wenn Handlung und Zeit springen, doch das werdet ihr sehen. Genug: der Vorredner schweige und verschwinde im Off des WWW. Adios Muchachos

D

as alte rote Backsteingebäude stand in einer Nebenstraße der Reeperbahn, auf der ruhigen Seite des Kiezes. Gebaut zwischen den Kriegen, hatte es bessere Zeiten gesehen – als die Fenster noch schlossen und der Wind nicht als ungefragte Ventilation durch die Mauerritzen pfiff. Damals war es wohl keine Tanzschule gewesen, vielleicht eine Behörde, eine Schule, eine Handwerksmanufaktur. Es hatte einen Krieg überlebt, der St. Pauli mit Feuer übergossen und die Häuser mühelos wie Pappe abgefackelt hatte. So war es ein stummer Zeuge, übrig geblieben aus der Zeit, als in Hamburgs Peripherie die Öfen vor rotem Backstein glühten, der überall in der Stadt zu Arbeitervierteln, Fabriken und öffentlichen Gebäuden verbaut wurde, die den elitären Großbürgerhäusern der Gründerzeit den Spiegel erdiger Bodenständigkeit vorhielten.

Jenseits der blinkenden Lichter und üppigen Tabledance- und Eros-Shop-Angeboten warteten keine Damen mehr, die von einem auf das andere Bein wechselnd den Herren ihr lässig-flötendes bis krächzend-dominantes „Bleib doch mal stehen“ hinterherraunten/-riefen. Hierher verirrten sich nur noch wenige der aus den Reisebussen, den Zügen, den Autos mit den fremden Nummernschildern ausgespuckten Besucher, Touristen, Weltenbummler.

Stattdessen schlurften alte kleine Frauen in zerschlissenen Schuhen mit Kippe im Mundwinkel über den Gehweg, mit derbem schmalem Gesicht und wetterfestem Mantel. Zerzauste, vergeistigt blickende Studenten lugten aus schummrigen Hauseingängen hervor. Alte Männer in bekleckerten Pantoffeln ließen sich von ihren Promenadenmischungen ausführen und Arbeitslose nahmen die Handvoll Kneipen in Beschlag mit den vom Nikotin der Jahre vergilbten Vorhängen und den Billigholzvertäfelungen an den Wänden. In jeder dieser Einrichtungen hing ein Wimpel vom FC St. Pauli, manchmal ein Mannschaftsfoto mit Unterschriften.

Draußen trieb der Wind eine Plastiktüte wie ein zerfetztes Segel vor sich her. Deseo lehnte hinter den weiß lackierten Fensterrahmen im zweiten Stock der Tanzschule und schaute gedankenverloren dem grünen Fetzen nach. Dann gab er sich einen Ruck und wandte St. Paulis Szenerie den Rücken zu.

Von innen war die Schule aufpoliert und trug ihre übrig gebliebenen Schönheiten wie den Stuck an den Decken mit Stolz zur Schau. Die großen Fenster ließen das Licht über die geölten Holzböden der hohen Räume hinwegfluten, sodass die Tänzer sich animiert fühlten, ihre Sohlen vibrieren zu lassen.

An jenem Tag allerdings hatten sich keine Körperkünstler der Musik eingefunden, sondern zwei Dutzend zumeist unauffällige Frauen und Männer, die an einem Erleuchtungskurs des US-amerikanischen Beraterpaares Eric und Sheila Sugarcane teilnahmen. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Die Kunst, Wohlstand zu erreichen“. In einer Nische des Raums wartete ein breites Angebot von DVDs, Audiokassetten und Büchern aufdringlich darauf, gekauft zu werden.

Deseo strich über sein frisch gebügeltes Oberhemd und begab sich zurück zu seinem Platz, denn die Pause näherte sich ihrem Ende. Was hatte ihm da gerade ein Kursteilnehmer über Manipulation und Selbstaufgabe zugeraunt?

Der Halbspanier war auf Empfehlung seines Geschäftsfreundes Donald Blank gekommen, der die Seminare regelmäßig besuchte und ihn wie ein Missionar beschworen hatte, ihn zu begleiten.

 „Da erfährst du Sachen über Geld, die dir kein hoch bezahlter Managerberater besser vermitteln kann. Das würde dich und deine Firma nach vorne katapultieren.“

Schließlich hatte er Donald erhört und 1.200 Euro für den Wochenendkurs auf ein Konto in New York überwiesen.

 

 

 

oliristau

Kurzvorstellung

Hi, ich bin der Roman Wertberichtigung. Ich bin 252 Seiten dick und erst ein paar Monate alt. Mein Papa hat an mir Jahre gebastelt. Verzehrt werden kann ich in wenigen Tagen. Und jetzt ein bisschen Werbung.

Wertberichtigung - Auf der Suche nach Geld und Ruhm gerät das Welt- und Wertebild des Hamburger Managers Deseo Ferrer ins Wanken. Was sind die wahren Wünsche meines Lebens?

Wertberichtigung - ein Entwicklungsroman vor dem Hintergrund der Finanzkrise und des Zusammenbruchs des Börsenwahns. Ehrlich, packend und in der pulsierenden Atmosphäre Hamburgs und Barcelonas in Szene gesetzt.

Jetzt gehts wieder um Inhalte:

Der Hamburger Manager und Halbspanier Deseo Ferrer will seine Computerfirma unter allen Umständen und gegen den Widerstand seines Partners Leon Steiner an die Börse bringen. Als er von seinem Cousin Ernest aus Barcelona eine Anfrage zur Übernahme eines undurchsichtigen Auftrags erhält, schlägt er ein und schickt Leon in das gefährliche Auslandsprojekt. Doch das hat unabsehbare Folgen, und Deseo muss sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Partner machen. Dabei wird er nicht nur in kriminelles Milieu, sondern auch in den Strudel seiner Vergangenheit und einer Familiengeschichte gezogen, die bis in den Spanischen Bürgerkrieg zurückreicht. Schließlich hat Deseo eine Entscheidung über Börsengang und sein weiteres Leben zu fällen, die einer Wertberichtigung im ökonomischen wie philosophischen Sinne gleichkommt.

Mit der Genauigkeit des journalistischen Beobachters und den Erfahrungen aus der Beratung mehrerer Börsengänge zeichnet Oliver Ristau ein farbiges Bild von den Verlockungen des Geldes und der Börse, den Einflüsterungen falscher Berater und den Schwierigkeiten menschlicher Kommunikation. Vor dem Hintergrund des bunten Großstadtlebens Hamburgs und Barcelonas entsteht ein vielschichtiger Entwicklungsroman, der pointiert erzählt auf pauschale Lösungen verzichtet und stattdessen die Entscheidungsfreiheit des Menschen betont.

 

oliristau

Willkommen auf meinen Seiten

Liebe Leser,

auf dieser Seite gehts um Wertberichtigungen und andere Texte aus meinen tastaturischen Federn. Kritische und kreative Betrachtungen zur Lage der Nationen, ihrer handelnden Menschen, der darob berichtenden Medien und gesellschaftlichen Tendenzen nah und fern, heute und gestern. Ernst geht es übrigens schon genug zu in unserem Land, da darf ruhig auch mal gelacht oder, wem das zu viel ist, gegrinst werden.

Außerdem lege ich jedem meinen Roman “Wertberichtigung” ans Herz, in dem der Hamburger Halbspanier und Computerunternehmer Deseo Ferrer davon träumt, seine Firma auch gegen Widerstreben seines Partners Leon Steiner an die Börse zu bringen. “Wertberichtigung” handelt von der Gier nach Macht, Einfluss und Geld und der Suche nach dem richtigen Weg im Leben. Das 252 Seiten Buch spielt in Hamburg und Barcelona